Interview mit Lars Fiske

Illustration: Lars Fiske

 

Lars Fiske wurde 1966 in Oslo geboren und studierte Illustration und Graphic Design in Stockholm und Los Angeles. In den 1980er-Jahren wurden seine Artworks in dem norwegischen Magazin Nye Takter und in den wichtigsten Tageszeitungen des Landes veröffentlicht. Sein illustriertes Buch Kom, sä løper vi! wurde vom norwegischen Kulturamt als "Bestes Bilderbuch des Jahres 2002" ausgezeichnet.. In Deutschland erschien vor Kurzem seine Künstlerbiografie Grosz beim Avant-Verlag. Sarah Henninger und Matthias Bender haben ihn für die IO interviewt.

Als ich das Cover deiner Graphic Novel Grosz erstmalig gesehen habe, war ich spontan begeistert und musste sofort zugreifen. Du bist aktuell wahrscheinlich der norwegische Illustrator mit der größten Präsenz bei einem Comic-affinen Publikum in Deutschland. Grosz ist deine dritte Künstler Biographie, wie kam die Idee mit den Künstlerbiografien zustande? Was ist deine Faszination dahinter?

Es begann alles mit meiner Freundschaft zu meinem Kollegen Steffen Kverneland. Wir teilten das große Interesse für Kunst. Der norwegische Künstler Olaf Gulbransson war einer unserer Favoriten. Dies führte zu der Idee, gemeinsam ein Buch über ihn zu gestalten. Das Ergebnis Olaf G. war eine große künstlerische Herausforderung für uns beide und wir entwickelten eine neue Art der Biographie. Ein Mix aus Kunstgeschichte, Reisebericht, Biografie und Autobiografie. Es war eine fantastische Erfahrung, dieses Buch zu erstellen, also mussten wir einfach weitermachen. Dennoch beschlossen wir, nicht zusammen zu arbeiten (aber gemeinsam zu reisen), und ich begann an meinem Buch über Kurt Schwitters Herr Merz zu arbeiten.

Könntest du uns etwas mehr über das Projekt selbst erzählen und wie es zustande kommt? Wie bereitest du dich vor und wie recherchierst du ein Thema, mit dem du dich beschäftigst?

Zunächst geht es um Kunst. Ich liebe die Zeichnungen von Georg Grosz und war seit meiner späten Jugend von ihnen fasziniert. Dann ist natürlich das Leben des Künstlers von Bedeutung. Wenn man ein Comic über Grosz’ Leben macht, bekommt man dazu noch die nötige Dramatik, die man sich wünscht. Es entsteht ein großer Recherche-Aufwand für die Erstellung der Bücher. Viele Jahre des Studierens und Lesens, um dabei herauszufinden, auf welche Momente seines Lebens man sich fokussieren möchte. Die Idee ein „silent comic“ zu gestalten, machte es noch schwerer. Es war eine Herausforderung den historischen und politischen Kontext dabei darzustellen, ohne Text zu nutzen. Dass dies aufgegangen ist, war sehr erfüllend für mich als Comic-Künstler. Das hat mir neue Fähigkeiten gegeben, welche ich in meiner weiteren Arbeit nutzen kann.

Dein Stil in Grosz ist sehr geradlinig, du nutzt klare Linien und fast ausschließlich Schwarz und Weiß. Die Graphic Novel lebt von ihrer minimalen Farbgebung, akzentuiert durch Rot und Grün. Wofür stehen diese Farben?

Ich habe versucht, eine Hommage der schwarz-weißen Tintenzeichnungen in Grosz’ Stil zu erstellen. Seine Lebensgeschichte sozusagen mit seinen „eigenen Zeichnungen“ zu erzählen. Aber es war mir wichtig, dabei nicht meinen eigenen künstlerischen Stil zu verlieren. Ich wollte diese beiden Stile vereinen. Die Farbtöne vom Rot und Grün habe ich aus dem bekannten Dada Magazin Neue Jugend (publiziert im Malik Verlag 1917). Vor allem Rot ist natürlich sehr wirkungsstark zum Beispiel auf Flaggen, Blut etc.

Wie schon erwähnt, bin ich großer Fan deines Illustrationsstils. Er erinnert mich an die Ligne Claire und vor allem die Arbeiten von Joost Swarte. Wen sieht du als dein illustratives Vorbild und woher nimmst du deine kreativen Inspirationen?

Als ich im Alter von 12 Jahren mein erstes Comic erstellte, war ich sehr von Hergés Tintin inspiriert und studierte seinen Stil ganz genau. In dieser Zeit war ich ausschließlich an Comics interessiert, aber als ich dann älter wurde, habe ich Inspiration allgemein in Kunst gesucht. Joost Swarte (der den Stil “Klare lijn/Ligne Claire” geprägt hat) war und ist immer noch eine große Inspiration; weil er andere Kunstformen wie Architektur, Design, Typografie in seinen Comics in großartiger Weise vereint. Er ist ein Meister. Es gibt sehr viel mehr Künstler, die ich nennen könnte. Ich denke, Saul Steinberg ist einer der wichtigsten Künstler im Feld der Illustration. Einfach genial und enorm einflussreich.

Grosz wurde im Februar 2019 in Avant-Verlag veröffentlicht. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Verlegern gestaltet? Oder anders gefragt, gab es fundamentale Unterschiede zwischen norwegischen und deutschen Verlagen?

Sie sind sich wirklich sehr ähnlich. Tolle Verleger und Freunde, welche mir alle Freiheiten geben, die ich benötige, um neue Projekte zu entwickeln.

War es von Vorteil, dass dein Comic ein silent comic ist, da kaum Text zu übersetzen ist? Ist es dadurch eventuell universeller und internationaler einsetzbar?

Natürlich war es dadurch leicht zu übersetzen. Ich war tatsächlich unsicher, ob ich es durchziehen könnte, ein silent comic über solch eine wichtige Figur wie Grosz zu erstellen. Ich war mir sicher, es würde kein kommerzieller Erfolg.

Norwegen ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Das Thema lautet „Der Traum, den wir in uns tragen” inspiriert von Dropar i austavind von Olav H. Hauge  (Noregs 1966). Gibt es einen Traum, den du bezogen auf deinen Job als Kreativer hegst?

Comics zu machen war schon immer mein Traum und ist es noch. Ich hoffe, dass ich neue Bücher herausbringen kann und mich in meiner Kunst stets weiterentwickeln werde.

Und zu guter Letzt: An welchen Projekten arbeitest du zurzeit? Können wir auf neue Arbeiten von dir gespannt sein?

Ich arbeite an einem neuen Buch, das hoffentlich im nächsten Jahr in Norwegen erscheint. Es ist autobiografisch und beschäftigt sich damit wie ich zum Comic-Künstler wurde.  Ob es auch auf Deutsch übersetzt wird, weiß ich natürlich noch nicht.

Vielen Dank für dieses informative Interview, Lars!

Ich danke für das Interesse an meiner Arbeit!

 

 

Interview with Lars Fiske (english version)

 

Lars Fiske born 1966 in Oslo, he has studied Illustration and Graphic design in Stockholm and Los Angeles. He has been working as an illustrator and comicbook artist since the mid 1980´s.  His Illustrated book Kom, sä løper vi! has been honoured by the Norwegian ministry of culture as best picturebook of the year 2002. Avant Verlag recently published his Artist biography Grosz in Germany. We took this years book fair guest country theme as an occasion to interview the Norwegian Illustrator.
 
When I saw the cover of your Graphic Novel Grosz, I was immediately excited, hooked and had to get it. You are at this time period probably the most popular Norwegian illustrator, when it comes to the more comic affine consumers within Germany.  Grosz is your 3rd artist biography,  how did the idea to concentrate on doing artists biographies arise? What is your fascination behind that?
 
It all started with my friendship with colleague Steffen Kverneland. We both share a big interest in art and the Norwegian artist Olaf Gulbransson was one of our favourites and this resulted in the idea to make a book together about him. The result Olaf G.  was a big artistic leap for us both  and we developed a new kind of biography mixing arthistory, travellouge, biography and autobiography. It was a fantastic experience making this book so we just had to continue. However we decided not to work together (just travel together) and I started working on my book about Kurt Schwitters Herr Merz.

Could you tell us more about the project itself, and how it comes alive? How are you preparing and researching a topic that you are concentrating on?
 
To begin with it´s all about the art. I love the drawings of George Grosz and have been fascinated by his art since my late teens. Then of course the life of the artist is very important if you are going to make a comic book and the life of Grosz has all the drama you can ask for. It´s a lot of research behind the books. Many years of studying, reading and trying to find the right moments in the life of the artist to focus on. The idea to make a silent comic made this even harder and it was challenging to deal with historic and politically complex events without any text. To make this function was very fulfilling for me as comicbook artist and gave me new tools to use in my work.

The style you used with Grosz is very straight forward, working with very clean lines and mainly in black and white. It also lives from a minimal colour scheme, accentuated by red and green. What are the chosen colours standing for?

I tried to do a homage to the black and white ink drawing style of Grosz. I wanted to tell his life story “in his own drawings” so to speak. But it was important to not loose my own artistic style. I wanted a kind of marriage of styles. The red and green I took from the famous dada magazine Neue Jugend published by Malik Verlag in 1917. The red of course is also very effective to use on flags, blood etc.

As I mentioned before, I am a fan of your illustration style. It reminds me of “ligne claire” and especially the work of Joost Swarte. Who do you see as an illustrative role model and take creative inspirations from?
 
When I did my first comics at the age of 12 I was very much inspired by Hergés Tintin and studied his style closely. At the time I was only interested in comics, but as I grew older I started looking for inspiration in art in general. Joost Swarte (who also coined the term “Klare lijn/Ligne Claire”) was then (and still is!) a big inspiration in how he invites other artforms such as architecture, design, typography into his comicbook art in such a brilliant way. He is a maestro. There are many, many more artists I could mention. I think Saul Steinberg is one of the most important artist in the illustration field. Pure genius and enormously influential.

Grosz has been published in February 2019 by Avant Verlag, Germany. How has the collaboration with the publishers, while working on Grosz, been working out? Or to ask differently: are there any fundamental differences between Norwegian and German publishers?


They are really very much alike. To great publishers (and friends) who give me all the freedom I want in developing new projects.

Has it been a benefit that your comic is basically a silent comic, not that many lines to translate. Maybe that’s how it is more universal and international in itself?  
 
It´s of course easy to translate. I was actually worried if I was going to be able to pull it off; making a silent comic about such an important figure as Grosz. I certainly did not think it was a commercially good idea.

Norway is this years guest country at Frankfurt book fair. The theme is the dream we carry inspired by Dropar i austavind, Noregs boklag 1966.  Is there any dream you are carrying in relation to the job as a professional creative?  

Making comics has always been my dream and still is. Hopefully I will be able to make new books and try to push my art further.

And last but not least. What projects are you currently working on? Can we expect to see new work from you soon?
 
I´m working on a new book and hopefully it will be published in Norway next year. It´s autobiographical focusing on “how I became a comicbook artist”. If it will be translated into German I do of course not know yet.  

Thank you very much for the interesting chat, Lars!

Thank you for your interest in my work!

 

 

 

 

(Red. SW)