100Frauen Projekt - Interview mit Sabine Kranz
Illustrationen: 100Frauen Projekt

 

Ihr habt erst vor Kurzem das 100Frauen Projekt während der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und konntet zwischenzeitlich sogar schon die Ausstellung beim Bundesministerium für Justiz in Berlin zeigen. Das ist ein großartiger Erfolg. Wie kamt ihr auf die Idee, dieses Projekt in Angriff zu nehmen?

Wir hatten bereits 2017 mit ein paar Kolleginnen eine Ausstellung mit dem Thema „Heroes, Outlaws, Funny Fellows“ organisiert und in diesem Zuge nach Frauen im Wilden Westen recherchiert. Da kam die Idee auf, das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ zum Thema zu nehmen. Gemeinsam mit Franziska Ruflair habe ich dann das Projekt gestartet. Begonnen haben wir auf Instagram mit einer Online-Ausstellung, wobei wir eine spätere physische Ausstellung durchaus in Betracht gezogen hatten. Wir haben erst mal 10 bis 12 Kolleginnen aus unserem Freundeskreis angesprochen, um erste Motive zu veröffentlichen. Die Vorgabe war lediglich, dass die abgebildeten Persönlichkeiten weiblich sind, eine Vorbildfunktion haben und innerhalb der letzten 100 Jahre in Deutschland gelebt oder gewirkt haben.


Seid ihr mit einem fertigen Konzept gestartet oder hat sich das im Laufe des Prozesses entwickelt?

Es gab schon eine Entwicklung. Am Anfang gab es ja nur die Präsenz in Netz, aber durch den positiven Zuspruch und die Dynamik, die sich da entwickelte, haben wir uns entschieden weiterzumachen. Als jemand Heidi Klum illustriert hatte, kam auch die Frage auf, ob wir die Liste der Persönlichkeiten nicht doch etwas einschränken sollten. Aber wir kamen nach einigen Diskussionen zu dem Ergebnis, dass wir das Spektrum der dargestellten Persönlichkeiten so breit wie möglich anlegen wollten. Warum denn nicht die eigene Mutter abbilden, wenn sie ein persönliches Vorbild darstellt?


War es schwer, ca. 80 Illustratorinnen unter einen Hut zu bringen, oder anders gefragt: Wo kann es haken, wenn man ein Projekt mit so vielen Kreativen realisiert?

Die Zuverlässigkeit war schon ein Thema. Freie Projekte haben dann doch nur eine mindere Priorität, weil bei uns Freiberufler*innen bezahlte Aufträge logischerweise vorgehen. Eine weitere Herausforderung war natürlich die Beachtung des Persönlichkeitsrechts. Erst wenn die jeweilige Person schon mindestens 10 Jahre nicht mehr lebt, ist eine Abbildung ohne Einverständnis der Person oder der jeweiligen Erben rechtlich unbedenklich. Leider gab es auch vier Absagen von noch lebenden Frauen.


Wie ist es euch gelungen, einen Verlag für das Projekt zu gewinnen?

Auch die Buchidee stand schon von Beginn an als Möglichkeit im Raum. Bald bekamen wir von Annegret Ritter den Tipp, das Projekt bei Jacoby Stuart vorzustellen. Die Verlegerin Nicola Stuart hatte sich zuvor schon mit emanzipatorischen Themen befasst und war sofort begeistert. Über unsere Instagram-Seite #100FrauenProjekt kamen später noch andere interessierte Verlage auf uns zu. Das Thema lag einfach in der Luft.


Die Resonanz auf das Projekt ist wirklich beachtlich. Wie kam es dazu, dass ihr sogar beim Bundesministerium für Justiz in Berlin ausstellen konntet?

Diesen Kontakt hatte der Verlag hergestellt. Die Vernissage in Berlin war ein sehr schönes Erlebnis und außer der Bundesjustizministerin Frau Barley waren auch mehr als 20 der teilnehmenden Illustratorinnen vor Ort.


Wo kann man sich die Ausstellung noch mal ansehen?

Es gibt schon einige Folgetermine, die auf der Webseite zum 100-Frauen-Projekt veröffentlicht sind:    
www.100frauenausstellung.de/kalender
Besonders möchten wir aber auf die Ausstellung im „FeM Mädchenhaus Frankfurt“ hinweisen, wo die Zeichnungen im Februar 2019 zu sehen sind. Wir hatten uns verständigt, dass alle Erlöse aus dem Buchverkauf, die normalerweise den Illustratorinnen zugutegekommen wären, an ein soziales Projekt gespendet werden können. Und da haben wir uns für das Mädchenhaus Frankfurt entschieden.


Ist nach dem großen Erfolg schon ein Folgeprojekt in Planung?

Das noch nicht, aber nach dem Buchprojekt wird 2020 auch ein Frauen-Kalender erscheinen.


Liebe Sabine, herzlichen Dank für das informative und interessante Gespräch.

Foto: BMJV/Inga Kjer/photothek
(Red. SW)