Mehrwert Illustrations-Festival

Foto: Matthias Bender


Im Jahre 2012 feierte die Illustratoren Organisation e. V. ihren zehnten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums erging ein Aufruf an die Mitglieder, das Berufsbild Illustrator*in mithilfe von zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Die IO unterstützte diese Jubiläumsaktion finanziell und die Resonanz war beachtlich. Kleine und große Veranstaltungen wurden in zahlreichen deutschen Städten organisiert und umgesetzt. Was damals noch niemand ahnte – dies war praktisch die Initialzündung für eine Vielzahl von Ausstellungen, die mittlerweile zu regelmäßig stattfindenden Illustrations-Festivals herangewachsen sind.

Ob die ILLU20 in Köln oder das Festival der Illustratoren in Oldenburg, diese Veranstaltungen gingen erstmals 2012 an den Start. Ausstellungen wie die ILLUSTRADE in Rostock kamen später hinzu, andere wie die bereits seit 2009 jährlich in Darmstadt stattfindende Illustre Gestalten bekamen zusätzlichen Rückenwind. Allen ist dabei die Absicht gemein, unser Berufsbild in der Gesellschaft sichtbar zu machen und damit auch seine Anerkennung und Wertschätzung zu steigern. Das geschieht nicht nur durch das bloße Ausstellen von schönen Bildern, es werden auch die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten von Illustration im Alltag vermittelt. Begleitend werden Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet. All dies macht aus der Ausstellung etwas Größeres – ein Festival.

Allerdings fragt man sich, warum sich Organisations-Teams turnusmäßig zu zahlreichen Treffen zusammenfinden und ihre Freizeit für die Vorbereitung solcher Festivals opfern. Denn zumindest bei jährlich stattfindenden Events gilt: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung! Wozu also der ganze Aufwand? Gibt es einen Nutzen, der über die Anerkennung und Bewunderung der Besucher*innen hinaus geht? Norbert Egdorf vom Festival der Illustratoren in Oldenburg hat eine eindeutige Position dazu. Er ist begeistert davon, was normalerweise einzelkämpferisch tätige Illustrator*innen zusammen auf die Beine stellen können. Darüber hinaus wirken das gemeinsame Organisieren und der dazugehörige Austausch manchmal wie ein Katalysator für neue Projekte. Besonders wenn bestehende und potenzielle Auftraggeber zu den Veranstaltungen eingeladen werden. Es bilden sich Netzwerke mit Wirtschaftsförderung, Unternehmen und städtischer Verwaltung, die ihrerseits neue Aufträge generieren können. All das braucht aber seine Zeit und vor allem eines: Kontinuität. Bei der Illustre Gestalten in Darmstadt war anfangs die stellvertretende Kulturamtsleiterin als Vertreterin der Stadt zu Gast – inzwischen gilt die Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters schon als fester Programmpunkt. Aber auch auf anderen Festivals lassen sich mittlerweile Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft gerne sehen und fotografieren.

Neben der Findung eines Vorbereitungsteams ist die Finanzierung eines Festivals wahrscheinlich die größte Herausforderung. Das bestätigt uns auch Mathias Schmidt, der die ILLUSTRADE in Rostock mit organisiert. Eine Halle muss gemietet, Reisekosten für Referent*innen und andere Gäste müssen übernommen werden. Das Catering für die Vernissage ist ebenfalls nicht billig. Auch die Stellwände müssen gebaut oder gemietet werden. Wer soll das bezahlen? Mitunter greift die Kommunalverwaltung unterstützend mit ein. Entweder werden Ausstellungsräume kostenlos oder vergünstigt zur Verfügung gestellt oder das Kulturamt unterstützt finanziell. Aber auch mit den Eintrittsgeldern für Workshops und Seminaren werden Einnahmen erwirtschaftet. Und dann gibt es da noch die Sponsoren aus der freien Wirtschaft. Manchmal sind es Verlage, ein anderes Mal Banken oder einfach der Zeichenbedarfsladen um die Ecke, die ein Illustrations-Festival unterstützen. Grundsätzlich ist man meistens froh, wenn das ganze Spektakel kostendeckend finanziert wurde. Bleibt etwas für die nächste Veranstaltung über – umso besser!

Für die Teilnehmer*innen der Festivals jedoch zahlt sich die ganze Mühe meistens auch in barer Münze aus. Denn bei vielen Festivals gehört der Verkauf von Originalen und Kunstdrucken jeglicher Art zum festen Teil des Programms. Machen die Illustrator*innen es sich zur Aufgabe, auch Kundschaft aus Verlagswesen und Wirtschaft einzuladen, bahnen sich manchmal sogar neue Aufträge an. Im besten Fall kommt beides zustande und neue Netzwerke bringen neue Projekte ins Rollen. Die Presse ist auch dabei und garantiert mediale Aufmerksamkeit für die Künstler*innen. Aber das Beste an einem Illustrations-Festival ist doch, dass es den Illustrator*innen trotz der vielen Mühe mit Organisation und Finanzierung eine Menge Spaß macht. Und das ist der offensichtlichste Mehrwert!

 

Matthias Bender

(Red. SW)