Interview mit Olivia Vieweg

Illustration: Olivia Vieweg

 


Im Juni eröffnet der Internationale Comic-Salon in Erlangen wieder seine Pforten. Bist du auch mit dabei? Und wenn ja, was schätzt du am meisten an dieser Veranstaltung?

Beim Comic-Salon bin ich immer mit dabei! Das ist für mich wie ein zweijährliches Klassentreffen der Comic-Leute, bei dem man ständig auf bekannte Gesichter trifft.

Gehst du mit dem Ziel auf die Messe, neue Projekte vorzubereiten und Kontakte zu Verlagen zu knüpfen bzw. aufzufrischen, oder möchtest du in erster Linie sehen, was sich so im Comic-Bereich Neues getan hat?
 
Es ist tatsächlich von allem etwas. Der Verkauf von Büchern auf dem Comic-Salon ist für mich auch ein wichtiger Einnahmefaktor. Mein Freund und ich haben einen eigenen Comic-Verlag und sind mit einem Stand auf der Messe vertreten. Dort signiere und verkaufe ich meine Bücher oder habe Signierstunden bei Carlsen.

Auch 2020 wird der Comic-Salon wohl wieder in den Zelthallen in der Innenstadt Erlangens stattfinden und nicht wie früher in der Stadthalle. Wie wirkt sich das deiner Meinung nach auf das Flair der Veranstaltung aus?

Durchweg positiv. Die Zelte waren ja anfangs nur eine Notlösung und wurden wegen der Renovierung der Stadthalle genutzt. Allerdings führte die Positionierung der riesigen Messezelte mitten im Stadtkern zu einer viel größeren Präsenz und es wurde ein größeres und breiteres Publikum angesprochen. So kamen viele neue Besucher hinzu, die nicht zum harten Kern der Comicfans gehörten. Es war auch ganz spannend zu sehen, wie Statuen, Denkmäler und auch Straßenlaternen in die Zelte integriert wurden. Das alles hat sich durchaus positiv auf die Atmosphäre ausgewirkt und die Stimmung dort war großartig.

Ich persönlich fand die Stände und die Vorstellung der Hochschulen immer sehr interessant und sehenswert. Präsentieren sie sich auch weiterhin beim Comic-Salon?

Die Hochschulen und die Studierenden sind natürlich auch wieder vertreten. Vor zwei Jahren waren sie sogar in einem eigenen Zelt untergebracht. Es war eine ganz tolle Stimmung dort, nebenan war eine Wiese, auf der man auch prima in der Sonne sitzen konnte, um sich zu erholen und zu entspannen.

Bei welchen anderen Messen bzw. Ausstellungen sollte man deiner Meinung nach als Comic-Artist unbedingt präsent sein?

Die Leipziger Buchmesse ist für mich sehr wichtig, weil sie einerseits sehr verkaufsstark ist und andererseits beide Welten – also Manga und Comic – dort in einer eigenen Halle vertreten sind. In Kassel gibt es noch die Connichi, eine reine Manga-Messe. Sie ist von Fans organisiert, nicht kommerziell ausgerichtet und auch sehr sehenswert. Vor allem wegen der interessanten Veranstaltungen und der zahlreichen Cosplayer, die dort unterwegs sind.

Du bist eine der bekanntesten Comic-Zeichnerinnen Deutschlands, deine Fangemeinde ist beachtlich und deine Graphic Novel Endzeit wurde mittlerweile sogar verfilmt. Kannst du uns berichten, wie das alles zustande kam?

Dazu muss man wissen, dass ich nach dem Entstehen von Endzeit im Rahmen meiner Diplomarbeit die Drehbuchwerkstatt in München besucht habe. Dort habe ich dann festgestellt, dass sich der Aufbau bzw. die Konzeption von Comics und Drehbüchern durchaus ähneln. Durch die Teilnahme am Filmfest München habe ich dann schnell mehrere Interessenten für mein Drehbuch von Endzeit gefunden. Die aktuelle Version meines Endzeit-Comics, der bei Carlsen erschienen ist, entstand dann zeitlich nach dem Drehbuch.

Wie gestaltet sich die Mitarbeit an einem so großen Projekt wie einer Filmproduktion und wie gut konntest du dabei deine eigenen Vorstellungen durchsetzen? Immerhin gibt es ja eine Menge beteiligte Akteure, die auf ihre Mitsprache pochen.

Am Ende ist auch die Drehbuchautorin eine von vielen, Film ist immer eine Gruppenarbeit. Und es tut sich vieles: Drehbuchautor*innen kämpfen dafür, mehr Mitspracherecht zu erhalten, das unterstütze ich voll und ganz. Dennoch muss man sehr oft Kompromisse eingehen. Da ist es wichtig, sich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren, für die es zu kämpfen lohnt.

Das ist wirklich sehr spannend! Kommen wir aber wieder zurück zu den unbewegten Bildern. In den letzten Jahren konnte man in Deutschland einen wachsenden Aufschwung im Comic-Bereich beobachten. Hat das auch etwas mit der Begrifflichkeit der Graphic Novel im Vergleich zu den früher eher als geringwertig betrachteten Comics zu tun?

Sicherlich war dieser Marketing-Begriff hilfreich, um ein Publikum, das sich nicht mit Comics auseinandergesetzt hätte, für illustrierte Literaturadaptionen zu interessieren. Was ja sehr erfreulich ist und der gesamten Branche nützt. So gesehen ist meine Haltung dazu nicht dogmatisch. Allerdings habe ich auch Verständnis für die Kritik an dieser Begrifflichkeit, wenn sie benutzt wird, um die „hochwertigen“ Literaturadaptionen einerseits von der „leichten Kost“ der Comics andererseits abzugrenzen.

Bekommen wir in naher Zukunft wieder einen neuen Comic von dir zu sehen?

Gerade im Dezember ist meine Antigone-Adaption bei Carlsen erschienen. Dabei wird inhaltlich bedingt auch wieder das Horror-Genre bedient. Als Kontrast dazu arbeite ich gerade an einem Drehbuch für einen Teenager-Tanzfilm.


Liebe Olivia, wir danken dir für das Interview.

 

Das Interview führte Matthias Bender.

 

(Red. SW)