Illustrator*innen in der Corona-Krise: Was wir fordern!

Illustration: Tim Weiffenbach

 


Wer kennt nicht das Gefühl, zu dem Thema Corona alles, aber so wirklich alles schon gelesen zu haben? Ob zur Verbreitung des Virus an sich oder zu Warnungen, Maßnahmen (ob angekündigte, geforderte, bewertete), Prognosen oder Einschätzungen aus allen Perspektiven? Wir aber wollten wissen, wie es konkret bei unseren Kolleg*innen aussieht. In welchem Ausmaß Illustrator*innen betroffen sind und welche Forderungen wir zu ihrer Unterstützung an die Regierung stellen müssen. Um uns kurzfristig ein Bild zu verschaffen, haben wir Ende April eine kleine Umfrage durchgeführt und innerhalb von drei Tagen die Einschätzungen von rund 550 Illustrator*innen zu Bedarf und Wirksamkeit der damaligen wirtschaftspolitischen Unterstützung erhalten. Zunächst die nackten Zahlen im Überblick:

Schon für März hatten über 80% der Befragten Umsatzeinbußen zu verzeichnen, mehr als ein Drittel gab diese mit 60 - 100% an. Eine seriöse Prognose für den Geschäftsverlauf des gesamten Jahres war zum Zeitpunkt der Befragung noch schwer möglich. Die Einschätzung der bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist von zufrieden bis nicht zufrieden gleichmäßig verteilt, unabhängig ob es die Verfügbarkeit der Mittel, den Umfang der bereitgestellten Mittel oder die Transparenz der Angebote betrifft. Allein die Zufriedenheit mit der unbürokratischen Antragstellung ist mit rund 40% erkennbar hoch.

Trotz der verzeichneten Umsatzeinbußen haben über 50% der Befragten den Betriebsmittelzuschuss des Bundes bisher noch nicht beantragt. Mehr als die Hälfte derer, die den Antrag sofort gestellt hatten, haben aber eine Zusage erhalten. Im Vergleich fällt auf, dass Anträge in den Ländern Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen sehr zügig genehmigt worden zu sein scheinen, während in Nachbarländern wie Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen viele noch auf Antwort warten. Auch die nicht zurückzahlbare Soforthilfe der einzelnen Länder wurde von weniger als der Hälfte der Befragten beantragt. Von diesen haben knapp zwei Drittel bereits eine Zusage der Mittel erhalten. Dabei scheinen in Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt die Anträge vergleichsweise schneller möglich oder genehmigt worden zu sein - der größte Teil der Befragten hat hier schon eine Zusage erhalten. In Rheinland-Pfalz und Sachsen dagegen wurde von einem Großteil – zumindest zum Zeitpunkt der Befragung – ein solches Angebot als nicht verfügbar wahrgenommen. Aus den abgefragten Informationen, für welche Forderungen setzen wir uns nun als Berufsverband für Illustrator*innen ein?

1. Anerkennung der Lebenshaltungskosten als Betriebsausgaben

Einzelunternehmer*innen bekommen kein Gehalt im herkömmlichen Sinne, sie verfügen über den Gewinn aus selbstständiger Arbeit. Das eigene Einkommen ist daher direkt an den Erfolg geknüpft. Ohne Aufträge kein Gewinn, kein Einkommen. Da die Fixkosten in den wenigsten Fällen reduziert werden können, müssen diese in der Beantragung einer nicht rückzahlbaren Soforthilfe als Ausgabe anerkannt werden.

2. Längerfristige Finanzhilfe auf Basis des bisherigen Einkommens

ALG2 und mittelfristig verzinste Überbrückungskredite sind keine validen Maßnahmen, um Solo-Selbständige für die Zukunft mit/nach Corona aufzustellen. Mit Blick auf die prognostizierte Rezession und damit einhergehend zögerliche Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft muss ein längerfristiger Ausgleich auf Basis der letzten Einkommensbescheide erfolgen. Im Nachhinein könnte dieser immer noch mit dem tatsächlich erwirtschafteten Einkommen verrechnet werden.

3. Förderungen im Kultur- und Bildungsbereich

Spätestens jetzt mit erkennbarem Optimierungspotenzial in den Bereichen Digitalisierung, dezentrale Arbeitsorganisation, Homeschooling, Wissensvermittlung etc. wird erkennbar, dass Investitionen in den Bereichen Kultur und Bildung nicht „nice to have“, sondern systemrelevant sind. Gezielte Förderungen für Projekte und Prozesse in der Bildungs- und Wissenschaftskommunikation kommen wirtschaftlich nicht nur Kreativschaffenden zugute, sondern auch unserer Gesellschaft.

Diese konkreten Forderungen für Illustrator*innen haben wir zusammen mit dem gemeinsamen Appell der Kultur- und Kreativwirtschaft an unsere Bundeskanzlerin, Bundesminister Altmaier, Bundesminister Scholz, Staatsministerin Grütters sowie allen Ministerpräsidentinnen und  Ministerpräsidenten der Länder geschickt. 
 

Stefanie Weiffenbach

(Red. SW)