Illustrator*innen in der Wissenschaftskommunikation
Illustration: Annika Siems

 

Wir möchten uns heute ganz besonders an diejenigen wenden, die den Schwerpunkt informative und wissenschaftliche Illustration haben. Wir, das sind Studierende der HAW Hamburg im Fachbereich Wissenschaftsillustration. Wie auch viele andere IO-Mitglieder begeistern wir uns für Wissenschaft, Forschung und ganz besonders für die intensive illustratorische Auseinandersetzung mit Inhalten aus unterschiedlichen Fachgebieten. Aber: Wir sehen im Bereich Wissenschaftskommunikation für unsere Berufsgruppe auch viel ungenutztes Potenzial und es ist an uns, dieses Potenzial auszuschöpfen!

Kompetenzen sichtbar machen
Die wenigsten Menschen, die sich in der Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation bewegen, denken bei dem Begriff „Illustration“ an „Wissenschaftsillustration“ – und selbst wenn nach uns als Spezialist*innen gesucht wird, sind wir oft nicht auffindbar genug.

Als spezialisierte Illustrator*innen wünschen wir uns eine bessere Zusammenarbeit mit Forschenden und anderen Wissenschaftskommunikator*innen. Statt nur als letzten Schritt zum „Schönmachen“ dazugeholt zu werden, ist unsere Mitarbeit von Anfang an und auf Augenhöhe von elementarer Bedeutung! Dafür müssen wir aktiv auf mögliche Projektpartner*innen zugehen und unsere Kompetenzen klar kommunizieren. Dann können wir auch unsere Expertise umfangreicher einbringen, als das bislang meist der Fall ist.

Durchdringen, vermitteln, begeistern
In der Wissenschaftsillustration beschäftigen wir uns routiniert mit neuen Inhalten und operieren damit an der Schnittstelle zwischen Fachleuten und fachfremdem Publikum. Unsere Expertise ist die Vermittlung von Informationen und das Wecken der Begeisterung dafür. Mit einer treffsicheren und ansprechenden Visualisierung kann man selbst das trockenste Thema lebendig machen! Dazu recherchieren, konzeptionieren, strukturieren und übersetzen wir Inhalte ins Visuelle. Wir bereiten die Essenz komplexer Themen auf und machen sie so verständlich.

Dabei sind unsere Illustrationen auch immer Interpretationen. Sie kommunizieren bewusster, intuitiver und zielgerichteter als beispielsweise technisch generierte Datenvisualisierungen. In der Kooperation mit Forschenden können wir so zum Reflektieren und Hinterfragen der eigenen Arbeit beitragen: Für die faktische Richtigkeit der von uns übersetzten Inhalte involvieren wir unsere Projektpartner*innen durch ständige Rückkopplung in den Arbeitsprozess. Diese Überprüfung von außen kann Projekte noch wachsen lassen. Darüber hinaus zeigt die Überführung von Abstraktem (Gedachten) ins Konkrete (Visuelle) häufig Ungenauigkeiten oder Fehlschlüsse auf, die im Gedankenmodell ganz logisch erscheinen. Diese Fähigkeit, Inhalte auszuformulieren, macht die Illustration zum probaten Erkenntniswerkzeug.

Als visuelle Kommunikator*innen bieten wir eine Bandbreite an Kompetenzen. Damit diese nicht weiterhin unterschätzt und somit unausgeschöpft bleiben, müssen wir uns dafür einsetzen, möglichst früh im Gestaltungsprozess dazu geholt zu werden.

Neues Bewusstsein für Wissenschaftsillustrationen schaffen

Im Studium
... lassen sich herausragende Best-Practice-Projekte realisieren, die bei einer Umsetzung später im Berufsleben vielleicht an finanziellen oder zeitlichen Einschränkungen scheitern könnten. Der Hochschulkontext bietet außerdem bestehende Kooperationen und den direkten Kontakt zu Forschenden.

In Beruf und Praxis
... können wir uns klar positionieren, indem wir unsere Expertise präzise nach außen kommunizieren und so unsere Wunschkund*innen erreichen. Dazu können auch Best-Practice-Projekte beitragen, die durch innovative Gestaltung Aufmerksamkeit erregen und die Grenzen der visuellen Vorstellungen, die von Projektpartner*innen an uns herangetragen werden, erweitern. Natürlich ist auch die gezielte Vernetzung mit Kolleg*innen wichtig, um passend weiterempfehlen zu können. Mit Wissenschaftler*innen bleiben wir konstant im Gespräch.

Im interdisziplinären Austausch
... bietet das „Forum Wissenschaftskommunikation“ als größte Tagung zur Wissenschaftskommunikation im deutschsprachigen Raum die ideale Möglichkeit zur Vernetzung. Wir planen für das 12. Forum Wissenschaftskommunikation in Essen Ende 2019 einen Workshop mit dem Titel „Dialog zum Bild“. Auch die IO wird auf der Konferenz vertreten sein, um eine Plattform zum Austausch bereitzustellen. Ergänzend soll eine verbesserte Suchfunktion auf der Website der IO dazu beitragen, dass im Nachgang zur Konferenz Wissenschaftsillustrator*innen leichter gefunden werden können.

Also: Gehen wir auf die Leute in der Wissenschaftskommunikation zu, machen wir auf unsere Kompetenzen aufmerksam und begeistern wir sie mit spannenden Projekten! Gut vernetzt und leicht gefunden stehen uns viele neue Türen offen.


Text: Charlotte Hintzmann, Marie Seeberger, Matthias Ries
 

(Red. SW)