Illustrieren für amerikanische Verlage
Illustration Andrea Offermann

 

Die Arbeit für amerikanische Verlage läuft ähnlich ab wie für deutsche. Die Kommunikation findet hauptsächlich per E-Mail und in seltenen Fällen auch per Telefon statt. Die amerikanischen Verträge sind ebenso langatmig und kompliziert wie die deutschen. Die Honorare liegen jedoch (schon?) aufgrund der höheren Auflagenzahlen deutlich höher als in Deutschland. Das Verhandeln von Vertragsklauseln und Honoraren ist oft erfolgreicher als bei deutschen Verlagen. Hilfreich sind hier Bücher wie das „Graphic Artists Guild Handbook: Pricing & Ethical Guidelines“ und „Business and Legal Forms for Illustrators“ und die Webseite der “Graphic Artist Guild”(graphicartistsguild.org). Steuerlich bringt das Arbeiten für die USA keine Nachteile mit sich, da ein Steuerabkommen zwischen den beiden Ländern existiert und deshalb keine Abgaben in den Vereinigten Staaten gezahlt werden müssen.

Allerdings ist es mit ein wenig Aufwand verbunden, den ersten Kontakt zu amerikanischen Auftraggebern herzustellen. US-Verlage schicken zum Beispiel keine Lektoren zu den europäischen Buchmessen, so dass es sich nicht lohnt, sich dort vorzustellen. Deshalb ist es sinnvoll interessante amerikanische Verlage zu recherchieren, den Ansprechpartner im Lektorat in Erfahrung zu bringen und ihn persönlich mit einigen Arbeitsproben anzuschreiben. Noch lohnenswerter ist nach Kontaktaufnahme eine Reise nach New York, wo die meisten Verlage sitzen, um sich dort persönlich vorzustellen.

Wertvolle Einblicke in die Verlagswelt der USA verschafft man sich über eine Mitgliedschaft bei der Society of Children's Book Writers and Illustrators (www.scbwi.org), Jahresbeitrag im ersten Jahr $95, danach $80). Diese Organisation bietet wertvolle Informationen zu amerikanischen Verlagen und Agenten und veranstaltet auch jährlich Konferenzen mit interessanten Workshops sowie Wettbewerbe. Außerdem hat man dort die Möglichkeit das eigene Portfolio bei Lektoren und Art Direktoren zu präsentieren.

Auch in Europa findet alle zwei Jahre eine solche Konferenz statt (die nächste im Frühjahr 2019), zu der einige amerikanische Lektoren, Art Direktoren und Agenten anreisen - ebenso wie zahlreiche europäische Verlagsleute, besonders aus Frankreich und England. Solche Reisen zu planen und Konferenzen zu besuchen ist natürlich teuer. Man kann auch mit kleineren Schritten starten. Es gibt zum Beispiel diverse Illustrations-Jahrbücher ähnlich wie Freistil (zum Beispiel Society of Illustrators, American Illustration, 3x3, Communication Arts), die internationale Bewerbungen annehmen. Die Teilnahmegebühren halten sich im Rahmen (zwischen 25 und 75 Dollar für eine bis zu 10 Einreichungen. Achtung: bei erfolgreicher Teilnahme können eventuell weitere Gebühren für die Teilnahme an der Ausstellung oder für den Abdruck der Illustration anfallen. Auch diese halten sich jedoch im Rahmen.) und die Bücher werden von vielen Art Direktoren genutzt. Die Society of Illustrators veranstaltet jährlich eine Ausstellung der besten Illustrationen, die von Art Direktoren, Lektoren und auch Agenten gerne besucht wird. Dort werden die Arbeiten also auf jeden Fall gesehen.

Es kann auch der richtige Weg sein, sich einen Agenten zu suchen, der dann die Suche nach geeigneten Verlagen und die Kommunikation mit ihnen übernimmt. Hierbei sollte man erst entscheiden, welche Art von Agent man sucht. Es gibt literary agents und illustration agents. Während der illustration agent ausschließlich Illustrations-Angebote verhandelt, vertritt der literary agent auch den Text, und kann (wenn man das möchte) sehr involviert sein in die Entwicklung der eigenen Karriere. Wenn man selbst auch schreiben möchte, wäre die Zusammenarbeit mit einem literary agent sinnvoller. Nach sorgfältiger Recherche findet auch bei Agenten der erste Kontakt per E-Mail statt - es ist also nicht zwingend nötig zu reisen.

Wichtig ist allerdings, die Kontaktaufnahme sorgfältig vorzubereiten und den Agenten, seine Positionierung, und seine Wünsche zur Form der Kontaktaufnahme genau zu recherchieren - denn eine zweite Chance bekommt man nur äußerst selten. Viel Erfolg!

Andrea Offermann

(Red. SW)