Buchrezension

Buchrezension
Meike Teichmann

„Auf dem Tablett erklärt“
Sandra Schulze
dpunkt.Verlag

Das kompakte, aber dennoch 313 Seiten starke Buch überrascht durch ein Querformat, das erst einmal ungewöhnlich daher kommt. Wenn man sich aber den Inhalt und die vielen Bilder ansieht, leuchtet das Format natürlich ein. Es geht um Tablets, iPads, Surface und ähnliche Geräte. Es wird die Benutzeroberfläche gezeigt, die eben meistens auch im Querformat dargestellt wird. Also auch ein Buch im Querformat.

Das Thema des Buches richtet sich in erster Linie an Sketchnoter und Graphic Recorder, die bei Vorträgen, Meetings, Präsentationen und Festen vor Ort live zeichnen. Aber sicherlich ist es auch für den ein oder anderen Einsatz außerhalb dieser Tätigkeit geeignet. Ich zumindest bin keine Sketchnoterin und habe das Buch dennoch mit Freude gelesen. Denn wenn man ein Tablet besitzt ist es verlockend, die vielen Möglichkeiten auszuprobieren, darauf zu zeichnen. Und darum geht es in dem Buch, um das Zeichnen und Skizzieren auf dem Tablet. Die Autorin stellt unterschiedliche Apps vor, vergleicht sie und zeigt die Vorteile. Dabei durchläuft sie das gesamte Spektrum des schnellen Skizzierens zu Vorträgen oder auf Veranstaltungen.

16 Kapitel unterteilen das Buch in Themen wie „Zeichnen, so geht’s“, „Notizen und Ideen sammeln“ bis hin zu „Storytelling“ und ähnlich komplexen Inhalten. Der Leser kann sich also mit der Autorin und mit seinem Tablet zusammen durch die Anfänge des schnellen Skizzierens arbeiten, er wird angeleitet, einfache Figuren und komplexe Sachverhalte mit leicht zu merkenden Bildern darzustellen. Die Autorin gibt Hilfestellung beim Bildaufbau, nennt übliche Symbole und Möglichkeiten, das Blatt (oder die Arbeitsfläche des Tablets) gegliedert und sinnvoll zu füllen. So erlernt man also zu Beginn des Buches die gängigen Techniken zum Sketchnoten, zeichnet einfache Formen, Figuren, Banner und Sprechblasen, übt sich in schnellen Schatten und Pfeilen. Damit das Grundrepertoire geschaffen wird, um dann komplexer werden zu können.

Diese Übungen werden durchgehend auf dem Tablet gemacht. Das heißt, zum eigentlichen Üben der Motive kommen Hinweise zu Ebenen, Pinseln und Speichermöglichkeiten der Daten. Auch hier immer für unterschiedliche Apps erklärt.

Kapitel 8 dreht sich dann schon um komplexere Inhalte, um Infografiken. Was sollte enthalten sein, wie gliedere ich meine Grafik, was darf nicht fehlen? Anhand vieler Beispiele zeigt die Autorin die Abläufe. Einzelne Bilder können zu einer Grafik vereint werden, alles bequem am Tablet. Zusätzlich holt sie sich drei weitere Kollegen mit ins Boot, die ihre Erfahrungen und Tipps weiter geben. Wie bauen sie die Motive auf, wenn sie bei einem Meeting mitzeichnen? Kann man die Daten direkt an den Kunden senden? Welche Dinge sollte ich in diesem Betätigungsfeld beachten, um für den Kunden möglichst zielorientiert und als wertvoller Partner zu agieren? Auch diese ganzen Zusammenhänge werden direkt in einer Indografik und gescribbelt erklärt, so dass man wiederum Beispiele sieht. Überhaupt gibt es außer einigen Fotos von der Oberfläche des Tablets so gut wie nur handgezeichnete Bilder im Buch.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema „Geschichten erzählen“. Also komplexe Dinge in einer Geschichte verpacken und bildlich darstellen. Hierfür werden Übungen genannt, Ideen und Anregungen gegeben und aufgezeigt, wie sich die Arbeitsfläche gliedern sollte, damit alles übersichtlich und verständlich dargestellt wird. Es macht also durchaus Sinn, sich vor dem eigentlichen Kundengespräch, welches mitgezeichnet werden soll oder vor dem Vortrag, den man halten möchte, ausgiebig Gedanken zum Inhalt der Bilder zu machen.

Zum Schluss werden die Figuren noch einmal etwas komplexer, viele Übungen laden dazu ein, selber auszuprobieren. Die Autorin zeigt außerdem noch einmal Dinge wie Perspektive im Bild, Bildaufbau, Blickführung und den Aufbau einer Comicseite. Abgerundet wird das Buch mit einer Liste voll nützlicher Tipps, Links und Buchempfehlungen (auch die Buchcover wurden alle skizziert, keine Fotos).

Das Buch erscheint im ersten Moment recht dick und kompakt, lässt sich aber aufgrund der vielen Bilder und Übungen schnell und gut durcharbeiten. Der Text beschränkt sich auf das nötigste, die Bilder sollen für sich sprechen. Das gelingt in meinen Augen nicht immer gleich gut, nicht jeder Betrachter ist mit einer komplexen, geschibbelten Zeichnung vertraut und kann gleich erkennen, was dargestellt wird. Ein wenig mehr erklärenden Text hier und dort hätte ich mir gewünscht. Auch die drei Gastschreiber fallen etwas raus, da sie vom Schreibstil doch sehr anders arbeiten als das Buch eigentlich aufgebaut ist. Es wird teilweise etwas flapsig und launig, was aber nicht sofort als Witz verstanden wird. Auch hier wäre eine etwas ausführlichere Erklärung manchmal sinnvoll gewesen.

Grundsätzlich denke ich aber, dass das Buch all denen sehr hilft, die sich a) mit dem Thema Sketchnotes und Graphic Recording an sich beschäftigen wollen und dazu b) ein Tablet statt den Stift verwenden möchten. Das digitale Arbeitsgerät und die vielen unterschiedlichen Apps bieten eine Vielzahl an tollen Möglichkeiten, schnell und vor allem direkt digital mit der Möglichkeit, flexibel nachzubearbeiten, skizzieren zu können. Viele der genannten Apps sind sogar kostenlos, man kann also in Ruhe ausprobieren und den für sich am besten funktionierenden Workflow entwickeln. Und auch, wenn ich keine Sketchnoterin bin, wie schon erwähnt, habe ich eine kleine digitale Zeichnung erstellt. Als Test sozusagen.

Dezember 2017, 316 Seiten, komplett in Farbe, Broschur
dpunkt.verlag
ISBN Print: 987-3-86490-513-1
Weitere Informationen zum Buch findet ihr hier.

(Red. MT)