Die Ergebnisse unserer Illustratorenumfrage im Überblick

Die vierte Umfrage der Illustratoren Organisation zur Berufssituation deutscher Illustrator*innen ist beendet. Rund 800 Kolleg*innen haben sich an der Onlinebefragung beteiligt, die von Juni bis Oktober 2017 durchgeführt wurde. An dieser Stelle allen Teilnehmer*innen ganz herzlichen Dank!!!

Die Erkenntnisse aus der Umfrage helfen uns, die Rahmenbedingungen unseres Berufsstandes immer weiter zu optimieren und dienen sicher auch der beruflichen Orientierung. Insgesamt sind die Zahlen der Umfrage vergleichbar mit den Ergebnissen der letzten Umfrage von 2015. Gravierende Änderungen sind nicht festzustellen – weder im Positiven noch im Negativen. Stärkstes vertretenes Bundesland ist NRW. Rund ein Fünftel der befragten Illustrator*innen haben dort ihren Sitz. Gefolgt von Hamburg mit 16 % und Bayern mit 14 %, die damit Berlin hinter sich lassen.

Illustrator*innen sind durchweg sehr gut ausgebildete Profis: 76 % der Befragten haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Wohin sie das nach der Ausbildung führt? Nun, die Schwerpunkte ihres Wirkens sind breit verteilt. Nach wie vor am stärksten vertreten in absteigender Reihenfolge sind die Einsatzgebiete Kinder-/Jugendbuch, Werbung und Editorial. Dabei konzentrieren sich allerdings die wenigsten Kolleg*innen nur auf einen Bereich. Unabhängig von ihrem Fokus: Nahezu alle Illustrator*innen sind breit aufgestellt und erstrecken ihre illustrative Tätigkeit über eine Vielzahl alternativer Gebiete. Außer den eben genannten Spitzenreitern spielt hier Comic & Cartoon eine wichtige Rolle – knapp 23 % der Befragten nennen diesen Bereich als ein zusätzliches Tätigkeitsfeld – gefolgt von Verpackung & Design mit rund 20 %.

Eine ebenso breite Verteilung findet sich auch hinsichtlich der kalkulierten Stundensätze. In allen Bereichen gibt es eine große Spannbreite – bis auf Layout & Storyboard vielleicht, wo sich die Honorare relativ komprimiert von 70 bis 100 Euro/Std. bewegen. Eine eher punktuelle Verteilung zeichnet sich dagegen bei den Graphic Recordern ab, allerdings auf unverändert hohem Niveau. Hier scheinen sich Stundensätze von 80 Euro, 110 Euro oder 150 Euro/Std. durchzusetzen. Von so einem hohen Niveau ist der Bereich Kinder-/Jugendbuch noch weit entfernt.

Rund 60 % der Befragten, die mit diesem Schwerpunkt tätig sind, hatten 2016 einen Jahresumsatz von unter 18 Tsd. Euro. Dieser Bereich gehört damit wie schon in den letzten Umfragen zu den umsatzschwächsten Einsatzfeldern, genau wie die Kategorien Dekore – mit einem Anteil von 67 % unter 18 Tsd. Euro – und Sachbuch mit sogar 80 % unter 18 Tsd. Euro Jahresumsatz.

Besser ausgelastet scheinen die Kolleg*innen im Bereich Animation zu sein, rund 33 % der Befragten erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 24 bis 48 Tsd. Euro. Noch höher liegt der Umsatz im Bereich Architektur, 2/3 der hier Tätigen verzeichneten einen Umsatz von 48 bis über 72 Tsd. Euro.

Betrachtet man die Geschlechterverteilung in den Betätigungsfeldern der Illustration, stellt man vereinzelt kleinere Differenzen fest: So haben 31 % der Frauen ihren Schwerpunkt in Kinder- und Jugendbuch, aber nur 8 % der Männer. Diese dominieren dagegen die Arbeitsbereiche Comic & Cartoon (♀ 8 % / ♂ 16 %) und Layout & Storyboard (♀ 1 % / ♂ 8 %). In den Kundenbindungsmaßnahmen dagegen agieren beide Geschlechter weitgehend gleich. Auf Platz 1 wird hier nach wie vor „Überzeugung durch zuverlässige, konfliktfreie Arbeit“ genannt, gefolgt von der„persönlichen Kontaktpflege“.

Mit Besorgnis stellen wir einen Anstieg in der Nutzung von „Honorarnachlässen“ und „nicht honorierte Illustrationsleistung“ als Instrumente der Kundenbindung fest. Beide wurden von knapp 50 % der Befragten genutzt – das sind jeweils 8 % mehr als noch in der letzten Umfrage 2015. Hier wird es uns im Markt aber auch nicht leicht gemacht: Laut Umfrage wurde knapp die Hälfte der befragten Kolleg*innen von potenziellen Auftraggebern um solch eine Gratisarbeit gebeten. Interessant wäre die Reaktion der Kunden zu erfahren, wenn man dieses Ansinnen in so einer Häufigkeit an sie zurückspielen würden.

In den Maßnahmen zur Kundengewinnung ist ein Anstieg in der „Nutzung sozialer Medien“ zu beobachten, 28 % haben die Kanäle erfolgreich eingesetzt. Rund ein Viertel der Befragten lässt sich von einer Repräsentanz vertreten, dabei verzeichnen allerdings nur unter 10 % einen messbaren Erfolg.

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft. Nicht düster, aber doch bedenklich: Nur 80 % der Befragten sichern sich ab und betreiben Altersvorsorge, Immerhin 77 % investieren in ihre Weiterbildung. Interessant hierbei ist der Anstieg um 20 % im Bereich „e-Learning und Webinare“. Die Hälfte der Illustrator*innen, die sich weiterbilden, nutzen inzwischen diesen Weg und machen ihn damit zur beliebtesten Lernmethode.

Immer weiterlernen und dranbleiben – auch wir als Verband folgen dieser Devise. Wir sind uns sicher: Die Ergebnisse unserer Bemühungen werden auf Sicht positiven Einzug in die nächsten Umfragen finden.

 

Stefanie Weiffenbach
Geschäftsführerin der Illustratoren Organisation e.V.

 

(Red. SW)