Guten Tag, lieber Feind!
Mario Ramos (Ill./Text) Le petit soldat qui cherchait la guerre Paris: École des Loisirs, 1998. Dt. Ausgabe: Der kleine Soldat, der den Krieg suchte. Oetinger, 2000. Übersetzt von Alexandra Rak
Armin Greder (Ill./Text): Die Insel. Eine tägliche Geschichte Erstmals:Aarau: Sauerländer, 2002. Frankfurt / Main: Fischer Verlag, 2014

 

In der Ausstellung „Guten Tag, lieber Feind“ zeigt die Internationale Jugendbibliothek München vom 15. November 2014 bis 31. Oktober 2015 insgesamt 60 sehr unterschiedliche Bilderbücher zu Frieden und Menschlichkeit.

Krieg und Gewalt, unüberrwindbare Mauern und Grenzen wird es geben, solange nationales Machtstreben, Ideologien und Fanatismus jeglicher Art das Zusammenleben der Menschen gefährden. Heute sind wir von einer „Kultur des Friedens“, wie sie die UNESCO seit Jahren fordert, weit entfernt. Bilder von Gewalt, Zerstörung, Armut, Elend und Sterben beherrschen die Nachrichten. Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten kommen zu uns, oft beladen mit traumatischen Erfahrungen und Erlebnissen. Sie werden zu Nachbarn jener, die in Wohlstand und Sicherheit aufwachsen. Kinder sind auf vielfache Weise mit Krieg, Feindseligkeit, Ausgrenzung und Flucht konfrontiert: die einen als Leidtragende, die anderen als nicht unmittelbar Betroffene aber Fragende.

Bilderbücher, die sich auf literarischem und künstlerischem Weg mit dieser Thematik beschäftigen, können nicht alle Fragen beantworten, aber Denkanstöße geben und Gesprächsanlässe sein. In dieser Ausstellung ist eine internationale Auswahl eindrucksvoller und origineller Bilderbücher dazu zu sehen. Darunter befinden sich einige Kinderbuchklassiker, doch die Mehrzahl der Titel stammt aus den letzten fünfzehn Jahren. Sie erzählen mit oft leisen Tönen vom Alltag in Kriegsgebieten, von Unterdrückung, Flucht und Verfolgung, von abweisenden Grenzen, Bedrohungen und Verletzungen. Sie zeigen Hintergründe für Krieg und Gewalt auf, etwa Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile oder Machtmissbrauch. Gleichzeitig öffnen sie häufig am Ende eine Tür in eine bessere Zukunft, in der trennende Mauern fallen, Feindschaften überwunden und Kriege dem Frieden weichen. Machtkämpfe und eskalierende Konflikte werden gemeinsam beigelegt, und das Gespräch siegt über körperliche Gewalt. Offenheit, Neugier und Empathie – so die Botschaft vieler Bücher – sind wichtige Voraussetzungen für ein friedliches, menschliches Miteinander der Kulturen und Völker.

Die durch einfache Geschichten und durch abstrahierende, witzige, comic-hafte, naive oder farbenfrohe Illustrationen geschaffene Distanz der Bilderbuchwirklichkeit zur realen Welt sorgt dafür, dass die Begegnung der Kinder mit existentiellen Nöten, Ängsten und Bedrohungen nicht zu einer verstörenden Erfahrung wird. Pathos wird ebenso vermieden wie schockierende Direktheit. Vielmehr wird in vielen Bilderbüchern mit dem literarischen Muster der Tierparabel gearbeitet oder charakteristische Stilmittel der Bilderbuchillustration wie Humor, Mimik, Gestik, Überzeichnung und Vereinfachung eingesetzt. So entsteht eine Balance zwischen der Ernsthaftigkeit des Themas und der Zumutbarkeit für Kinder. Lediglich Bilderbücher, die sich an Jugendliche richten, enthalten komplexere Bildkonzepte. Einige davon sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Wetere Infomationen unter www.ijb.de

(Red. CS)