Illustrieren für Magazine

Illustration: Anton Hallmann

 

Eine Anekdote. Unser Professor erklärte uns im ersten Semester, wie Editorial Illustration abläuft. Am Mittwoch kommt die Anfrage für eine Illustration, die am folgenden Dienstag fertig sein soll. Am Donnerstag wirkt die Abgabe noch lange hin, man nimmt sich Zeit für anderes. Am Freitag ist ja schon fast Wochenende – an dem arbeitet man nun einmal nicht. Es folgt der Montag, am Abend das schweißgebadete Nachsinnen über eine Idee, der erlösende Geistesblitz, die Nachtschicht, die Erleichterung bei der Abgabe und der Vorsatz: beim nächsten Mal früher beginnen. Und dann kommt ein neuer Mittwoch …

Nun, ganz so getaktet ist die Arbeit nicht, da verschwimmt in der Anekdote die Aussage mit der Wirklichkeit. Oder war der Rhythmus doch ein anderer?

In jedem Fall ist die Editorial Illustration seit langer Zeit ein zentraler Bestandteil der Bildsprache von Printmedien, heute auch von Onlinepublikationen. Diese Art der Illustration ist aufgrund der Historie weitgehend verbunden mit der politischen Satire. Und auch heute noch ist das Politik-Ressort ein wichtiges Element der Editorial Illustration. Dennoch erstreckt sich jene weit darüber hinaus: sei es auf Gesellschaft, Gesundheit, Wirtschaft oder das Feuilleton. Tagtäglich erscheinen Illustrationen in Zeitungen und Magazinen an der Seite diverser Artikel, um deren Inhalt zu offenbaren, zu verdeutlichen oder zu schmücken. Und das funktioniert auf eine herrliche Weise durch das Bild, das noch vor dem Text unser Interesse packt.

Einer der wichtigsten Aspekte für den Illustrator bleibt hierbei vor allem die Umsetzung komplexer Inhalte in etwas Fassbares. Aber auch hier kann die Illustration mehr sein: Schmuckelement, Abstraktion, Porträt, Infografik oder Detailaufnahme. Diese Bandbreite an möglichen Themen und Visualisierungsmöglichkeiten macht einerseits die Spannung aus, letztlich erhöht sie aber auch den Druck, gerade in kurzen Zeiträumen passende Lösungen zu finden.

Aber wie läuft ein Auftrag konkret ab?

Die Anfrage kommt herein – per Mail, selten noch per Telefon. Das Kernthema, die Zeitspanne in der man zur Verfügung stehen soll, und das Layout werden angerissen. Man erarbeitet ein Honorar-Angebot, wenn nicht zuvor schon der verfügbare Betrag genannt wurde. Man sollte aber bei letzterem unbedingt seine Arbeitszeit und den Aufwand gegenrechnen, denn das Honorar kann oft noch angepasst werden. Nur Mut bei Nachverhandlungen!

Auch wenn geregelte Arbeitszeiten nicht unbedingt für Redaktionen und Agenturen typisch sind, ist es doch wichtig, tagsüber erreichbar zu sein. Wesentlich ist aber auch, dass man sich selbst einen Zeitpunkt für den Feierabend setzt. Das, was am besten schon gestern vorliegen sollte, reicht in vielen Fällen auch morgen.

Verlagshäuser haben meist engere Deadlines, deshalb erhält man Rückmeldungen zu Entwürfen und Farbausarbeitungen binnen weniger Tage. Im Falle von Corporate Medien, d. h. Unternehmermagazinen, Kundenzeitschriften u. Ä. kann eine Antwort auch über eine Woche dauern, da die Redaktion meistens einen Schulterblick mit dem Kunden ansetzt. Für gewöhnlich sind diese Abstimmungsphasen von den Agenturen mit eingeplant, dennoch kann es manchmal zu längeren Wartezeiten kommen und somit eventuell zu Überschneidungen mit anderen Aufträgen. Hier ist es wichtig, dem Auftraggeber mitzuteilen, dass man nicht mehr für die Einhaltung der Deadline garantieren kann, wenn sich die Rückmeldung verzögert.


Auch wenn es eine Zusatzaufgabe darstellt, so ist es doch wichtig, die eigene Arbeitszeit im Auge zu behalten, besser sogar zu notieren. Dadurch verschafft man sich einen Überblick des zeitlichen Aufwands, was im Hinblick auf zukünftige Aufträge und die Honorarberechnung wichtig sein kann.

Bei Anfragen mit höherem Termindruck sollte man sich auch Gedanken zu Pauschalen für Nacht- und Wochenendarbeit machen und diese frühzeitig kommunizieren. Außerdem empfiehlt es sich, vor Arbeitsbeginn die Anzahl der Korrekturschritte auf zwei bis drei zu begrenzen. Das erspart ein langes Hin und Her.

Ganz Unrecht hatte mein Professor aber nicht. Wenn der Mittwoch kommt, dann lese ich den Text und dann kommt der Donnerstag … Ideen kommen nie unter Zwang. Manchmal benötigen sie einen Schubser, manchmal Ruhe.

 

Anton Hallman, Illustrator

 

(Red. SW)