Comic im Kommen?

Was alle interessiert: Kann man in Deutschland allein vom Comicbuch leben oder braucht man zusätzlich Auftragsarbeiten von Magazinen und Unternehmen?

Es gibt in Deutschland sehr wenige Zeichner, die nur von ihren eigenen Arbeiten leben können – also ich meine Zeichner, die ihre eigenen Geschichten zeichnen und nicht nur auf Anfrage arbeiten. Und selbst die nehmen noch Aufträge an, können sich die dann allerdings aussuchen.

Wie ist die ungefähre Verteilung? Wie viel deiner Arbeit liegt außerhalb deines angestammten Arbeitsfelds „Comic“?

Meine Einnahmen teilen sich ungefähr in drei Drittel auf: eigene Comicbücher, Comics & Illus für Zeitungen / Zeitschriften sowie Lesungen / Workshops. Mein Luxus ist, dass Kunden wegen meiner Bücher auf mich zukommen – das zählt mehr als Diplome oder berühmte Auftraggeber – und sie erwarten dadurch auch keine anderen Stile von mir.

Wie darf man sich die Arbeit für einen Verlag, z.B. Reprodukt vorstellen? Wie weit bringen sich die Mitarbeiter inhaltlich ein, bzw. prägen das Endprodukt?

Ui, das kann ich gar nicht so sagen. Aber auf jeden Fall bringen sie sich ein und wir überlegen gemeinsam, welche Bücher sich zu welchen Themen, in welchem Umfang und Aufmachung lohnen. Dank ihrer Erfahrung, der mittleren Größe und der flachen Hierarchie kann kann sich mal eben mit dem Chef, dem Lektor, der Herstellerin oder der Pressefrau zusammensetzen und Sachen direkt beschließen.

In den letzten Jahren konnte man in Deutschland einen Aufschwung im Comicbereich beobachten, bedingt auch durch die wachsende Anerkennung der Graphic Novel. Wie schätzt du diese Entwicklung ein?

Wir machen ja nun schon seit Jahrzehnten Comics, egal, wie man sie jetzt nennt. Wenn man bedenkt, dass so viele ältere Generationen ohne Comics ausgekommen sind (und nein, das Micky-Maus-Magazin zählt da jetzt nicht) dann dauert es leider ein bisschen, bis Comics in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Deine Fangemeinschaft ist riesig. Wessen Fan bist du? Was sollte man lesen?

Riesig ? Haha, cool... Ich selber bin großer Fan von dem Franzosen Christophe Blain; „Isaac der Pirat“ und „GUS“ sind schon fast moderne Klassiker. Super solides Comichandwerk, davon kann man eine Menge lernen. Die deutsche Überraschung der letzten Jahre ist für mich Ferdinand Lutz mit „QRT“ – natürlich auch bei Reprodukt.

Mawil ist Comiczeichner in Berlin. Seine Comics erscheinen beim Verlag Reprodukt und im Ausland, er zeichnet für Magazine und Zeitungen, wie z.B. den Berliner Tagesspiegel und lehrt als Dozent an verschiedenen Instituten.

(Red. SW)