Interview mit Lisa Frühbeis
©Lisa Frühbeis 2017, Im Comicarchiv mit Originalen von Hergé und Uderzo

Lisa, du bist gerade als Artist in Residence in der "Maison des Auteurs" in Angoulême (Frankreich), was ist das genau?
Die "Maison des Auteurs" ist eine Künstlerresidenz für ComickünstlerInnen (auf Französiosch: "Auteur de BD") und Animatoren, die seit 2002 bis zu 20 KünstlerInnen gleichzeitig die Möglichkeit bietet, in großzügigen Studios zu arbeiten.Informationen auf Englisch und einen kurzen Film gibt es hier: http://english.citebd.org/spip.php?article23

Warum steht sie in Angoulême?
Angoulême ist die Comichauptstadt Frankreichs. Hier steht unter anderem das nationale Comicmuseum, an die die "Maison des Auteurs" auch angeschlossen ist, mit einem großen Archiv voller Originale, zu dem man Zugang hat. Außerdem gibt es eine große Comic-Bibliothek und natürlich das internationale Comic Festival von Angoulême, das jährlich Anfang des Jahres stattfindet und das größte in Europa ist.

Was sind die Aufnahmekriterien?
Man bewirbt sich konkret mit einem Buch- oder Animationsprojekt, an dem man hier arbeiten möchte. Verlangt sind ein Exposé und einige fertige Beispielseiten bzw. Concept Art, sowie ein Motivationsschreiben, warum man in der "Maison des Auteurs" arbeiten möchte. Die Bewerbung findet dreimal jährlich statt.
Mehr hier: http://english.citebd.org/spip.php?article22

Was bietet die Künstlerresidenz?
Man kann sich für bis zu einem Jahr Aufenthalt bewerben, und insgesamt auf vier Jahre verlängern. Man bekommt in dieser Zeit ein großzügiges Arbeitsstudio in der Maison, sowie bei langfristiger Planung auch ein Appartement (letzteres bis zu einem Jahr – wobei die Wartelisten dafür lang sind). Außerdem werden die Künstler in einer großen Ausstellung während dem internationalen Comicfestival präsentiert, die dann für ein Jahr in der Comicbibliothek hängt. Auch Familien können übrigens in die Residenz mitgenommen werden.

Wer ist mit dir in der Maison?
Internationale Künstler in wechselnder Besetzung. Mit mir in Residenz waren Illustrations-Stars wie Roman Muradov https://www.instagram.com/roman_m/, aber auch Quereinsteiger wie Alicia Pena @alicia.pna, die überhaupt erst vor einem Jahr angefangen hat, professionell zu zeichnen, aber wegen ihres außergewöhnlichen Buchprojekts angemommen wurde. Unsere Hintergründe sind alle so unterschiedlich, trotzdem sind wir alle zum gleichen Beruf gekommen. Der Respekt für die Arbeit des anderen ist sehr hoch, ich habe sehr enge Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen.

Kannst du das Comicfestival in Angoulême empfehlen?
Das Festival ist das größte in Europa, es ist auf einem riesigen Areal und hat jedes Jahr 200.000 Besucher. Es ist eher kommerziell ausgelegt und die angeschlossenen Ausstellungen portraitieren oft Comicgrößen des letzten Jahrhunderts. Die Szene ist international, das Augenmerk jedoch auf Frankreich. Man kann die Messe mit der Buchmesse Frankfurt vergleichen, interessierte Zeichner sollten also bei den Verlagen Termine ausmachen. Wer schlau ist, beginnt seine Residenz in dieser Zeit, schaut sich die Messe ganz entspannt an, bleibt dann aber noch in den schönen Frühling hinein.

An was arbeitest du während der Residenz?
Ich arbeite hier gerade an "My 100 days of strangelife", meinem post-feministischen Comicstrip, der monatlich im Tagesspiegel erscheint – immer Sonntags im Wechsel mit Mawil, Birgit Weyhe und Marvin Clifford. Auf www.lisafruehbeis.de kann man die Comics sehen, nachdem sie veröffentlicht wurden.

(Red. SW)