Pictoplasma
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Am Wochenende 25.-26. November fand im Kino Babylon in Berlin Mitte das Pictoplasma Animation Festival statt. Pictoplasma beleuchtet den Animationsfilm aus der Darstellerperspektive. In den Kategorien „Characters in Rhythm“, „Characters in Narration“, „Characters in Motion“ mit insgesamt etwa hundertzwanzig animierten Kurz- und Kürzestfilme präsentierten sich die virtuellen Akteure einem internationalen Publikum. Dazu gab es an beiden Tagen von morgens bis abends einen Daumenkino-Workshop, in dem wie es schien ohne Unterlaß produziert wurde, was schließlich zu etlichen dutzend Daumenkinos führte. Wer am Tage eines der Screenings verpasst hatte, konnte sich bis tief in die Nacht bei der Wiederholung vergnügen.
Da Filmchen gucken nur eine - und gelegentlich eine sehr anstrengende und auch ermüdende -  Seite der Auseinandersetzung mit der modernen Animation ist, kamen in insgesamt drei Präsentationen auch die Macher besonders erfolgreicher oder visuell wegweisender Bewegtbilder zu Wort. Am Freitag, gleich nach dem ersten „Characters in Rhythm“-Screening startete Andreas Hykade mit einem Einblick in sein Werk. Er zeigte zunächst Arbeiten aus den Anfängen, die wesentlich autobiografisch geprägt waren, und, weil sich die Anfänge des Filmemachers weitgehend im tiefsten Süddeutschland, fernab allen modischen Strömungen ereigneten, automatisch frei von hysterischen Großstadtfantasien. Eine Erfahrung, die auch den späteren kommerziellen Arbeiten, in der sich die Sicht von Innen nach Außen wendet, deutlich anzumerken ist. Denn bei aller Lust des Fabulierens geht doch nie eine gewisse Bodenhaftung verloren. Eine Eigenschaft, die scheinbar von Auftraggebern und Filmschaffenden gleichermaßen geschätzt wird: der Clip „Walkampf“ für die Toten Hosen wurde im September diesen Jahres auf dem Ottawa Animation Festival ausgezeichnet.
Am Samstag berichtete zunächst eine Abordnung des Animationskollektivs Shynola, so benannt nach einer Schuhcreme, von ihrer Arbeit an verschiedenen Musikvideos für Bands wie Blur oder Radiohead, und vor allem für die Verfilmung von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. Das Londoner Team arbeitet multidisziplinär in den Sparten Film, Malerei, Illustration, Comic, Musik, Text, und kombiniert dabei munter unterschiedlichste Stilrichtungen.
Einen ähnlich unbeschwerten Umgang mit Kunst und Design zeigen die Arbeiten von Fons Schiedon, der sein Betätigungsfeld als IllustrationAnimationDesignFun bezeichnet, und am frühen Samstag Abend präsentierte. Für sein Figurendesign nutzt er die seit jeher in der Animation üblichen Bewegungsverzerrungen und überführt sie in neue Physiognomien. Für MTV Asia entwickelte er u.a. einen Image-Clip in dem ein Affe – sein Lieblingscharacter, der seit Jahren in ständig wechselnder Gestalt seinen Animationkosmos belebt – , ein Bär und ein Koala den Mythos des Rock‘n‘Roll, das Zerlegen von Musikinstrumenten, variantenreich und ironisch zelebrieren.
Die Kombination von niedlichen (häufig an Hasen angelehnten) Gestalten mit ausgeprägtem Hang zu brutalstmöglichen Verhaltensweisen ist im moderne Animationsdesign allgemeines Gestaltungsprinzip: ein tief empfundenes Misstrauen gegenüber der Welt des schönen Scheins, die sich des Individuellen bemächtigt um es in immer neuen Formen für den Konsum zu versklaven gilt als Konsens.
Insgesamt konnte das Filmprogramm qualitativ überzeugen, wenngleich die Kategorisierung der Screenings in „Characters in Rhythm“, „Characters in Narration“, „Characters in Motion“ nicht so ganz aufgehen wollte. Von den Machern, die sicher einiges geleistet haben, hätte man sich hier und dort etwas mehr konzeptionelle Stärke und sogar Entertainerqualitäten gewünscht. Insbesondere für die doch sehr zähen Fragerunden im Anschluß an die Präsentationen. So sehr sich das Publikum in seiner Rolle als klatschende Masse gefiel, so wenig wollte es dem Festival zu einer angeregten und anregenden Diskussion verhelfen. Die Auseinandersetzung über Figuren, die mit denen des klassischen Zeichtrickfilms kaum noch etwas gemeinsam haben, fand leider nicht statt. Eine Rückbindung der „new breed of characters“ an mediale und gesellschaftliche Entwicklungen schien niemanden zu interessieren. Daran konnte auch die gemeinsame Podiumsdiskussion mit allen Rednern zum Abschluß des Festivals nichts ändern.
Man darf allerdings jetzt schon auf 2006 gespannt sein, wenn Pictoplasma wie schon 2004 als mehrtägige Konferenz mit begleitenden Ausstellungen stattfinden wird. Die Veranstaltung ist für Oktober geplant, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

(Andreas Rauth)

Die Webseiten der Redner:
www.hykade.de
www.shynola.com
www.fonztv.nl

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