Kinderbuchseminar
Alle Fotos von André Rösler
Katja Kamm (Kinderbuchillustratorin und -autorin, IO-Vorstand) eröffnete das Seminar mit einer Beispielrechnung zum monatlichen Mindesthonorar von IllustratorInnen und stellte dies den üblichen Vergütungen im Kinderbuchbereich gegenüber.
Dr. Maria Linsmann informierte über die Ansätze und Möglichkeiten des Kinderbuchmuseums Troisdorf. Sie wies auf die unterschiedliche Wahrnehmung von „Kunst“ und Bilderbucharbeiten hin, die, obgleich von der Anlage her durchaus ähnlich zu bewerten, für deutlich weniger „Bedeutung“ von Kinderkunstbuchkünstlern im Alltag führen würde. Das Kinderbuchmuseum und auch die Stiftung Illustration seien angetreten, dieses Bild in der öffentlichen Wahrnehmung zu verändern.
Darauf folgte Birgit Fricke von der Frankfurter Buchmesse, die die Zuhörer mit der Offerte verblüffte, bei der Akquise die Buchmesse ganzjährig zu nutzen und durchaus die Messe bei Fragestellungen zu kontaktieren. Die Buchmesse sieht in den Illustratoren ein wichtiges Klientel und wird deshalb in absehbarer Zeit ein Portfolio auf der der eigenen Website für die Präsentation der Illustratoren zur Verfügung stellen.
Hilfreich war auch der Hinweis, bei dem Besuch der Frankfurter Buchmesse nicht nach zwei bis drei wahrgenommenen Terminen erschöpft nach Hause zu gehen, sondern sich bei möglichst vielen Gelegenheiten „blicken zu lassen“, um sich selbst zu positionieren.
Auch Joachim Knappe (Illustrator IO) beeindruckte die Teilnehmer. Er schilderte, wie er mittels 3-D-Programmen, Painter und Poser seinen Arbeitsalltag souverän und schnell gestaltet und somit auf Kundenwünschen stressfrei reagieren kann. Mit dieser Erläuterung machte er deutlich, wie wichtig es für Illustratoren sein kann, sich auf die neuen Medien einzulassen – man erlange dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Bettina Herre vom Sauerländer-Verlag schließlich, schilderte den Markt aus Verlagssicht und machte dabei deutlich, dass auch für Lektorinnen Kinderbuch eine ganz besondere Herausforderung bedeutet. Wenn man immer genau wüsste, welche Buchidee zum Erfolg führe, wären wir alle reich, war ein Fazit. Ihrer Meinung nach liegen die Ursachen für stagnierende Verkaufszahlen in dem veränderten Leseverhalten von Kindern und im Konkurrenzkampf des Buchhandels. Sie betonte auch, dass der Sauerländer Verlag durchaus „Neues“ probiere, aber natürlich auf gewinnbringende Produkte angewiesen sei. Die zahlreichen Kinderbücher, die sie mitbrachte, zeigten die beeindruckende Vielfalt des Sauerländer Verlages.
Insgesamt brachte das Seminar „How to survive in Kinderbuch?“ einige Augenöffner. Es ist wichtig für alle Beteiligten, im Gespräch zu bleiben. Und der Austausch der IllustratorInnen untereinander machte deutlich, dass niemand alleine ist.
Rückmeldungen von TeilnehmerInnen:
Cora Fischer-Cremer, Karlsruhe:
„Ich habe sehr nette und mitteilsame Illustratorinnen kennengelernt – saugut war das. Ich kam von Karlsruhe und hatte zwei Tage Babysitter für meine zwei kleinen Kinder organisiert, das hat sich total gelohnt- ich habe auch eine Mutter kennengelernt, auch mit zwei kleinen Kindern, die war aus Graz angereist. Ich komme gerne wieder.“
Bettina Nutz, Mainz:
„Man kann die Illustratoren-Organisation eigentlich nur als Glücksfall für alle Illustratoren bezeichnen, wenn ihr Engagement in Zukunft weiter so aussieht, wie es sich beim Kinderbuchseminar in Hamburg gezeigt hat.
Auch wenn das Programm nur über einen Tag lief (die Mitgliederversammlung am folgenden Tag nicht berücksichtigt) und der Aufwand mit Anreise und Übernachtung dafür vergleichsweise hoch ausfiel, hat es sich für die Teilnehmer auf jeden Fall gelohnt.
Marcus Frey moderierte das Programm sehr souverän, das Ganze hatte einen sehr professionellen Charakter und die Referenten trugen mit ihren Beiträgen dazu bei, dass der Beruf des Illustrators in verschiedenste Zusammenhänge gesetzt wurde.
Den größten Aha-Effekt löste meines Erachtens der Vortrag von Katja Kamm aus, in dem es um ganz konkrete Zahlen ging. Gerade Anfänger – aber eben nicht nur diese – sind dankbar für Tipps und Hinweise, wie man sie hier bekam. Nicht zu vernachlässigen ist der Kontakt, der unter den einzelnen Leuten zustande kam – es gibt einem doch ein gutes Gefühl, sich mit seinen Fragen und Unsicherheiten nicht alleine zu wissen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf zukünftige Seminarangebote und dankbar für das Engagement der Verantwortlichen.“
Uta Fischer, München:
„Ich war froh, in Hamburg gewesen zu sein, sowohl beim Seminar, als auch bei der Mitgliederversammlung.
Das Seminar hatte mir gut gefallen. Rückwirkend fand ich Katjas Vortrag für mich am "gewinnbringendsten". Es ist ja wirklich nicht leicht, als Kinderbuchillustrator zu überleben. Vielleicht wäre es auch interessant gewesen, noch andere Alternativen aufzuzeigen:
Viele Mitglieder der IO sind doch auch in der Werbung tätig. Einen Vortrag von jemandem, der damit sein Brot verdient, hätte ich auch spannend gefunden.
Ansonsten: ich fand alles super organisiert, das Haus 3 empfand ich als Veranstaltungsort äußerst gelungen gewählt, Du hast klasse moderiert und die gesamte Atmosphäre war lebendig und angenehm. Die Diskussion gegen Ende hätte für meinen Geschmack noch länger gehen können, doch hat sich ja an den zwei Tagen auch genügend Zeit zum Austausch mit Kollegen gefunden.
Insgesamt ein großes Lob!“

