Fumetto in diesem Jahr
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Fotos von Tobias Dahmen (IO)
Das Fumettofestival in Luzern ist ein Festival für den alternativen Comic. Die Frage steht ja nun häufiger im Raum: ist der Comic Kunst oder nicht? – aber hier bekommt man doch schnell eine Antwort. In Luzern werden jedes Jahr Künstler abseits des Mainstreams ausgestellt, Superhelden und Mangapüppchen wird man hier vergebens suchen, und wenn, findet man Sie höchstens in einer Collage oder als Zitat.

Das Festival ist in drei Ausstellungsarten aufgeteilt. Es gibt die grossen internationalen Ausstellungen, die unter anderem auch im Luzerner Kunstmuseum stattfinden, daneben die Satellitenausstellungen, die in Geschäften, Galerien, Restaurants und Hotels ihren Platz finden und schliesslich finden sich zahlreiche Ausstellungen in Schaufenstern. Alles in allem ergibt das ein ungemein komplexes Bild der neunten Kunst und tatsächlich ist die komplette Stadt involviert. Die hübsche Alpen- und Seen-Kulisse, die verwinkelten Straßen und alten Häuser tun ihr übriges, die Reise zum Festival immer wieder schmackhaft zu machen.

Ergänzt wird das Angebot durch Signierstunden, ein Animationsfestival und Podiumsdiskussionen.

Dies war nun meine dritte Teilnahme am Festival, zum ersten Mal ohne eigene Ausstellung, und so konnte ich mich voll und ganz auf die anderen Arbeiten konzentrieren. Man ist viel unterwegs, um alles zu sehen, aber es lohnt sich. Der Bogen ist wirklich weit gespannt, es ist schwierig an dieser Stelle den gesamten zeichnerischen Rahmen wiederzugeben. Vom Kinderbuch über die Collage ist wirklich (fast) alles dabei; es geht um das Erzählen mit Bildern. Und genau das ist dieses Jahr wieder verstärkt in den Vordergrund gerückt.

Es hat mich persönlich sehr gefreut, dass es wieder mehr Comics im eigentlichen Sinne zu sehen gab. Im letzten Jahr war's doch ein bisschen zu viel Grafik und Popart für meinen Geschmack. Da fiel es mir manchmal schwer, noch eine Geschichte zu sehen. Man möge mir diese persönliche Meinung verzeihen.

Meine Favoriten: Anna Sommer‘s Kindheits- und Jugenderinnerungen (dazu ist auch ein sehr schönes Buch erschienen), das Orang-Magazin aus Hamburg, die Ausstellungen von Frederik Peeters, Nicolas de Crecy und Gipi, die 'Horrorshow' von Blanquet und last not least die Ausstellung von Kati Rickenbach, die ihr ebenfalls sehr schönes Buch ‚Filmriss‘ vorgestellt hat.

Die Schaufensterausstellung der IO im Schaufenster eines Rollenspielladens war leider nicht sehr publikumswirksam platziert. Sie lag zwar nur einen Steinwurf von der Fumetto Lounge entfernt, in der man sich abends immer traf, allerdings in einer Straße, in der es kaum Laufpublikum gibt. Vielleicht lässt sich da nächstes Jahr etwas besseres finden. Trotzdem freut es mich, dass die IO auch hier vertreten ist, schliesslich tummeln sich hier eine Menge potentieller Neumitglieder.

Allen Zeichen- und Comicinteressierten kann ich das Festival nur empfehlen: man bekommt wirklich einen Inspirationsschub, der gerade wegen der Vielfältigkeit des Angebotes seinesgleichen sucht.

Wir sehen uns dann nächstes Jahr.

Tobi Dahmen