IO-Umfrage 2008
Seite drucken
Was viele Illustratoren schon immer geahnt haben, liegt jetzt Schwarz auf Weiß vor: Zahlen zur Berufssituation von Illustratoren in Deutschland, erhoben im Herbst 2008 von der IO. Um das Ergebnis der Umfrage in einem Satz zusammenzufassen: Das Einkommensniveau ist katastrophal! 45 % der Befragten geben an, mit illustrativer Tätigkeit im Jahr weniger als 12.000 Euro zu erzielen. Das ist eine Summe, die noch unter dem zurzeit in der Politik diskutierten Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde liegt. 

Wie kann es sein, dass Illustratorinnen und Illustratoren mit ihrer enormen Begabung und angesichts des immensen Anteils an der Wertschöpfung, den ihre Arbeiten ausmachen, ein geringeres Einkommen erzielen, als eine durchschnittliche ungelernte Arbeitskraft? Es ist dies ein nicht hinzunehmender Zustand, der sich nicht nur auf die individuelle Lebenssituation der Betroffenen unmittelbar auswirkt, sondern mittelbar auch auf den Medien- und Dienstleistungsstandort im internationalen Wettbewerb sowie auf Deutschlands Status als Kulturnation. 

Es kann nun nicht darum gehen, einen „Mindestlohn für Illustratoren“ zu fordern. Illustratoren sind in der Regel Freiberufler und als solche in der Pflicht, ihr Einkommen selbst zu bestimmen und selbst am Markt durchzusetzen. Viele Kollegen werden diese Wahrheit nicht gern hören oder lesen – zu groß ist das Gefühl von individueller Ohnmacht angesichts der sich seit Jahren etablierenden Totalausverkäufe auf Billigpreisniveau. 

Dass „der Markt“ angeblich nicht mehr hergibt, sollte nicht ausgerechnet von denjenigen behauptet werden, deren Beruf es ist, ihn zu gestalten. Auftraggeber haben überdies sehr viel eher Möglichkeiten, als der einzelne Illustrator. Es ist unerträglich, sich anhören zu müssen, Illustratoren hätten doch einen schönen Beruf, natürlich werde man damit nicht reich, die Arbeit mache aber doch Spaß, usw. 

Eines ist deutlich: Es mangelt an der Bereitschaft, für Illustration und Rechtenutzung angemessene Vergütungen zu bezahlen. Dass die Verwerter mit ihrer Ausgabenminimierungsstrategie durchkommen, hat eine Ursache in der vollkommenen Ahnungslosigkeit, mit der viele Kolleginnen und Kollegen in den Beruf einsteigen. Auch dies ist nicht etwa eine bösartige Unterstellung, sondern täglich in IO-Beratungsgesprächen zutage tretende, traurige Realität. Die IO sieht es darum als ihre Aufgabe an, über berufliche Rahmenbedingungen aufzuklären. Ziel muss es sein, Illustratorinnen und Illustratoren in die Lage zu versetzen, unangemessen vergütete Aufträge guten Gewissens ausschlagen zu können. 

application/pdf Die IO-Umfrage 2008 (106 KByte)