Buchrezension "Zeichnen, Tipps für Kreative"

Buchrezension

Rezension
"Zeichnen, Tipps für Kreative" von Albrecht Rissler
Buchrezension von Meike Teichmann

Der erste Satz im Klappentext beschreibt den Buchinhalt schon sehr gut. "In knappen, prägnanten Texten gibt der Zeichner Albrecht Rissler über 100 sachkundige Tipps zu allen relevanten Fragen, die das Zeichnen als eine der schönsten kreativen Tätigkeiten berühren."

Der Autor Albrecht Rissler wurde 1944 geboren und gestaltete bereits 1962 seine erste Ausstellung mit Zeichnungen und Malerei. Er unterrichtete unter anderem an der internationalen Gesamtschule Heidelberg und war von 1988 bis 2007 Dozent für Illustration und Zeichnen an der Fachhochschule Mainz. Außerdem war er Dozent an der Merzakademie Stuttgart, später als Meister an der Universität Augsburg, dann erneut Dozent an der Kunstakademie Bad Reichenhall und der Sommerakademie Balingen. Er hat verschiedene Bücher über das Zeichnen geschrieben und veröffentlicht.

Das Buch "Zeichnen – Tipps für Kreative" hat 238 Seiten, ist 25cm x 21cm groß und hochwertig mit Lesebändchen im Hardcover gebunden. Für jeden Tipp wird eine Doppelseite verwendet. Zusätzlich zum Text wird die Seite mit vielen Zeichnungen, Skizzen und Beispielen zu eben jenem Tipp vervollständigt, so dass man sich zu dem Gelesenen gleich ein Bild machen kann. Die Texte sind so verfasst, dass man das Gefühl hat, man redet bei einer guten Tasse Kaffee mit dem Kunstprofessor über seine vielen Erfahrungen und Kniffe. Der Schreibstil erinnert manchmal an eine kleine Geschichte, die erzählt wird. Der eigentliche Zeichentipp ist irgendwo mittendrin versteckt. Nicht immer ist er sofort erkennbar, die Geschichte drum herum und die Anregungen scheinen dann wichtiger.

Es geht nicht so sehr um das Zeichnen lernen von Beginn an. Vielmehr möchte der Autor die Zeichenmuffel unter uns anregen, den Stift wieder in die Hand zu nehmen, ungewöhnliche Blickwinkel und Betrachtungsweisen zu suchen und sich an neue Techniken zu wagen. Dabei ist es egal, wie gut man schon zeichnet. Die Überschriften erinnern an Geschichten, haben im ersten Augenblick wenig bis gar nichts mit dem folgenden Tipp zu tun. Es wechseln sich konkrete Anregungen zum Zeichnen mit Informationen über Drucktechniken und Zeichentechniken ab, das Thema Licht und Schatten findet ebenso Beachtung wie das Portraitzeichnen, die Studien von Insekten oder das Schraffieren.

Das Buch spannt einen Bogen und erwähnt dabei wirklich sehr unterschiedliche Dinge, die alle irgendwie mit dem Zeichnen zusammen hängen. Kurzweilig geschrieben möchte es anregen, doch wieder einmal selbst den Stift oder einfach eine mit Farbe gefüllte Pipette ich die Hand zu nehmen und loszulegen. Es gibt kein Richtig und Falsch, nur durch Übung wird man besser und selbst die banalsten Dinge lassen sich zeichnerisch umsetzen und als Übungsobjekt verwenden.

Fazit: Aufgrund der untypischen Überschriften eignet sich das Buch nicht unbedingt als Nachschlagewerk, eher will es an einem Abend gelesen und anschließend durchgearbeitet werden. Es kribbelt in den Fingern, den nächsten gefundenen Stein vom Meer von allen Seiten abzubilden oder wieder einmal das Skizzenbuch mit in die Stadt zu nehmen.

Erschienen im Juli 2015 im dpunkt.Verlag, 238 Seiten, farbig gedruckt, Festeinband, 29,90€, ISBN: 978-3-86490-239-0

(Red. MT)