Maurice Sendak ist tot

Oh, do not go - we'll eat you up, we love you so!

Am 8.5. 2012 ist Maurice Sendak im Alter von 83 Jahren in Danbury, Conneticut an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Von den meisten als einer der wichtigsten und einflußreichsten Kinderbuchautoren und –illustratoren des letzten Jahrhunderts verehrt, arbeitete Sendak unter anderem auch für die Bühne und gestaltete Bühnenbilder und Kostüme für Opern wie „Die Zauberflöte“ und Theaterstücke, oft auch für Adaptationen seiner eigenen Werke. Seine Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1964 die Caldecott Medal, die wichtigste Auszeichnung für ein einzelnes Kinderbuch, für „Wo die wilden Kerle wohnen“, 1970 den Hans-Christian-Andersen-Preis, und 2003 den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis (ALMA), die höchste existierende Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur.

Als Kind oft krank, wuchs Maurice Sendak in bescheidenen Verhältnissen in Brooklyn inmitten einer unsteten Zeit auf. Auf die große Depression folgte der zweite Weltkrieg und der Holocaust, in dem viele seiner europäischen Verwandten den Tod fanden. Diese unheimlichen und erschreckenden Eindrücke, die seine Kindheit mit prägten, fanden sich später in vielen seiner Werke wieder.

Durch die viele Zeit, die Sendak durch seine Krankheiten im Bett liegend verbringen mußte, entdeckte er seine Liebe zum Zeichnen. Mit 20 Jahren arbeitete er bei F.A.O.Schwarz, dem größten Spielzeugladen New Yorks, als Dekorateur. Dort lernte er durch die Kinderbuchabteilung Ursula Nordstrom, Kinderbuchlektorin bei Harper & Row kennen und eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit, die mit einem ersten Illustrationsauftrag 1951 (“The Wonderful Farm,” von Marcel Aymé) begann und 1963 mit dem Erscheinen von “Wo die wilden Kerle wohnen” einen ihrer Höhepunkte hatte, nahm ihren Lauf.

Sendak brach in seinen Büchern mit der Tradition übermoralisierter amerikanischer Kinderbuchgeschichten mit braven Hauptfiguren, die nur selten etwas Schlimmes erlebten. Sein Zeichenstil wurde in den USA kritisiert, sein Realismus und besonders die grausamen Elemente seiner Geschichten stießen auf Protest. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass gerade der Schrecken in den Geschichten Kindern die Möglichkeit bot, ihre eigenen Ängste und Alpträume zu bewältigen.

Maurice Sendak hat mit seiner Arbeit Generationen von Autoren und Illustratoren inspiriert. Er fungierte als Mentor vieler junger Autoren/Illustratoren wie z.B. Arthur Yorinks, Richard Egielski und Paul O. Zelinsky, die heute selbst großen Einfluß auf die Entwicklung des Kinderbuchmarktes haben.

In den letzten Jahren arbeitete Sendak unter anderem mit Art Spiegelmann zusammen, 2001 erschien „Cereal Baby Keller“ in Spiegelmann’s „Strange Stories for Strange Kids (Little Lit, Book 2)“. Im September 2011 erschien in den USA ein neues Buch von Maurice Sendak, „Bumble-Ardy“. Im nächsten Jahr wird posthum ein letztes Buch veröffentlicht werden: „My Brothers Book“, ein illustriertes Gedicht über seinen kürzlich verstorbenen Bruder.

Maurice Sendak sah sich unter anderem aufgrund seiner Herkunft und homosexuellen Neigung  als Außenseiter. Beschrieben als ein eigenbrötlerischer Charakter, der es hasste, wenn seine Arbeit nicht ernstgenommen wurde, liebte Maurice Sendak jedoch vor allem die individuellen Briefe, die ihm Kinder schrieben. Zum Beispiel schrieb ihm ein 7 Jahre alter Junge:

„Dear Mr. Sendak, how much does it cost to get to where the wild things are? If it is not expensive, my sister and I would like to spend the summer there. Please answer soon.“

Maurice Sendak sagte über diesen Brief in seiner Rede zum Caldecott Award:

„I did not answer that question, for I have no doubt that sooner or later they will find their way, free of charge.“

Wir wünschen Herrn Sendak eine gute Reise.


Autorin: Andrea Offermann für die Illustratoren Organisation



Stephen Colberts Interview mit Maurice Sendak vom Januar 2012:

http://www.cartoonbrew.com/illustration/stephen-colbert-interviews-maurice-sendak.html

Link zu Art Spiegelmann’s Comic über seinen Besuch bei Maurice Sendak:

http://archives.newyorker.com/?i=1993-09-27#folio=080

Link zum NY Times Artikel:

http://www.nytimes.com/2012/05/09/books/maurice-sendak-childrens-author-dies-at-83.html?_r=3&emc=na