Interview mit Nele Palmtag

Nele Palmtag erzählt von ihrer Arbeit als Illustratorin und der Entstehung eines eigenen Buchprojekts.

Dein „Freundebuch“ hast du selbst entwickelt, illustriert und drucken lassen. Wie kam es dazu?

Die Idee zu diesem Buch ist aus der Not entstanden. Meine Tochter war noch im Kindergarten und bekam ständig diese gängigen Freundebücher mit nachhause, die Kinder heute anscheinend von Geburt an ausfüllen sollen. Mit Fragen von Lieblingsfarbe bis Lieblingsband, die wir Eltern dann für sie ausfüllen müssen. Diese Kinder können ja noch nicht lesen oder schreiben. Also wollte ich ein Freundebuch machen, das Kinder im Kindergartenalter möglichst selbständig handhaben können und sich mit Themen befasst, die Kinder in diesem Alter beschäftigen: Wie zum Beispiel bei wem man schon alles übernachtet hat oder ob vielleicht schon ein Zahn wackelt. Ein Buch zum reinmalen und reinkleben.
Außerdem habe ich festgestellt, dass die Themen Freundschaft und Lieblings-irgendwas aus dem Stehgreif nicht immer so leicht zu beantworten waren. Also, dachte ich mir, wäre eine passende Rahmengeschichte für so ein Buch ganz passend.
Also hat mein Freundebuch eine Geschichte über drei Kinder bekommen – Line Lotter, Sam Hase und Kät Katze – bei der es ums Thema Freundschaft geht. Mit allen Facetten: sich ganz nah fühlen, sich ausgeschlossen fühlen, gemeinsam eine Übernachtungsparty meistern.

Cover des Freundebuchs

Wie ging’s weiter mit dem Buch?

Ich fand dann mein Konzept so gut, dass ich es auf der Messe einigen Verlagen vorgeschlagen habe. Die Rückmeldung war meistens: „Ja, ganz gute Idee – aber muss das mit der Geschichte sein?“
Ein Buch das sowohl einen  Mitmach- und einem Literarischen Teil hat, wurde einhellig als schwierig empfunden. Wo soll denn der Buchhändler so etwas einsortieren und ins Regal stellen?


Da meine Tochter aber mittlerweile kurz vor der Einschulung stand, habe ich das Buch kurzerhand bei der Online Druckerei Online-druck.biz in München in einer Auflage von 50 Stück selber drucken und binden lassen.  Ich glaube, der Stückpreis für ein solches Buch lag bei ca. 12 Euro. Ich dachte mir, so viele Kinder wie ich in diesem Alter kenne, werde ich die Bücher schon los werden. Und so war es dann auch. Die Auflage war ganz schnell weg.

 

Und hast du gleich nachdrucken lassen?

Susanne Koppe, meine Agentin, hat das Buch dann noch mal dem Carlsen Verlag als fertiges Buch vorgestellt. Und in dieser fertigen Form konnten die sich dann doch etwas darunter vorstellen und haben es genau so in ihr Programm genommen. Ich musste selbst beim Cover fast nichts ändern. Das Buch geht jetzt sogar schon in die zweite Auflage.

Meine Freunde, Innenteil, Carlsen 2014

Soviel Zeit und Geld in ein Projekt stecken, ohne zu wissen ob sich der Aufwand später auch finanziell lohnen wird – würdest du das wieder tun?

Ich würde es wieder tun, wenn ich von dem Projekt so überzeugt wäre. Heftchen in kleiner Auflage habe ich auch schon mit Kolleginnen wie Katrin Stangl, Heike Herold und Birgit Weyhe im Eigenverlag drucken lassen. Das Schöne ist, dass man Inhalte und Formensprache dann ganz frei ausprobieren kann. Allerdings braucht man dafür Zeit und Muße.

Meine Freunde, Innenteil, Carlsen 2014

Hast du dich von Anfang an von einer Agentin vertreten lassen?

Ich habe eigentlich fast von Anfang mit der Agentin Susanne Koppe zusammen gearbeitet. Anfangs dachte ich, dass eine Vertretung vor allem eine gute Möglichkeit ist, weitere Aufträge zu akquirieren. Das stimmt zum Teil auch. Ich schätze aber besonders ihre Kontakte und Ideen für Zweitverwertungen. Zum Beispiel Kalender. Oder – für die Bilderbuchtexte – den Rundfunk. Aber vor allem macht die Agentur meine Verträge und handelt dabei immer bessere Konditionen aus, als ich das für mich machen würde.

Du hast inzwischen mehrere Bilderbücher illustriert. Wie gehst du vor, wenn du ein neues Projekt beginnst?

Die letzten Bücher waren Arbeiten zu Texten von anderen Autoren. Dabei gefällt es mir besonders, die Texte auf ihre Grenzen abzuklopfen. Herauszufinden, wie viel Interpretationsspielraum der Text bietet, finde ich immer eine sehr schöne Phase bei der Arbeit. Ich erzähle gerne in meinen Bildern kleine Nebengeschichten, die im Text gar nicht vorkommen. Diese zu finden – die aber die eigentliche Geschichte unterstützen, atmosphärisch verdichten – das ist für mich etwas, das mir viel Spaß macht.

Anton fährt aufs Land, Annette Betz 2014
Das Riesenfest, Atlantis 2015

In welcher Technik arbeitest du?

Ich habe eine ganze Zeitlang meine Illustrationen vor allem aus Papier geschnitten. Das hat mir zwar grafisch sehr gut gefallen, ist aber sehr aufwendig. An feineren Arbeiten bin am Ende auch verzweifelt.  Mittlerweile bin ich glückliche Buntstiftzeichnerin. Ach ja, und Stemplerin. Im Photoshop korrigiere und putze ich meine Bilder oder setze noch Schatten.

Anton fährt aufs Land, Innenteil, Annette Betz 2014

Was macht für dich eine gelungene Illustration aus? Gibt es Kollegen deren Arbeit du bewunderst?

Eine Illustration ist für mich dann gelungen, wenn sie mich berührt. Das kann ein scheinbar hingerotzter Cartoon von Beck sein bei dem Wort und Bild perfekt zusammen kommen oder eine zart poetische Malerei von Violeta Lópiz.

Das Riesenfest, Innenteil, Atlantis 2015

Danke für das Interview!

Gern.
Übrigens will ich abschließend noch kurz sagen, dass ich seit 5 Jahren ein Portfolioprofil auf der IO Website habe und gerade gestern kam die erste Anfrage eines Kunden, der mich über diesen Kontakt gefunden hat. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. smiley

Hoffentlich wird dann auch ein schöner Auftrag daraus …

 

Zu Neles IO-Portfolio

Mehr zu Nele Palmtag: www.auserlesen-ausgezeichnet.de

Alle Bilder zum Interview: Nele Palmtag

 

Das Gespräch führte Constanze Spengler für die Illustratoren Organisation e.V.

(Red. CS)