Interview mit David Norman

David Norman arbeitet seit Jahren erfolgreich als Storyboarder. Hier spricht er über Arbeitsabläufe, veränderte Erwartungen und über die Eigenschaften, die man als Storyboarder mitbringen sollte.

David, du arbeitest viel als Storyboarder. Was gefällt dir besonders an diesem Bereich der Illustration?

Das was ich am liebsten mache, ist ein Treatment mit schnellen Scribbles zu interpretieren. Ich kann in diesem Fall die Kameraeinstellungen, die Perspektiven, die Charaktere und vieles andere bestimmen, um die filmische Erzählung flüssig und visuell interessant zu gestalten.

Wie läuft so ein Storyboard-Auftrag typischerweise ab?

Meistens kommt eine Anfrage per Email, ob ich Zeit hätte zum Beispiel ab heute um 16:00 Uhr und/oder über das Wochenende ein oder zwei Storyboards oder Animatics zu zeichnen. Falls ich zustimme wird dann abgewartet, ob der Endkunde die Konzepte genehmigt. Es passiert häufig, dass diese Entscheidung um einen, vielleicht zwei Tage verschoben wird. Derweil bin ich noch in der Wartehaltung. Wenn ich eine konkrete Anfrage mit Sofortbeginn von einem anderen Kunden erhalte, teile ich meinem ersten Kunden mit, dass er mich nun definitiv buchen muss, auch mit Ausfallhonorar, falls das Projekt storniert werden sollte.

Das Storyboardbriefing kommt als Treatment per Email. Daraufhin telefoniere ich mit dem Art Director oder der Art Directorin, um über Einzelheiten zu sprechen. Es kommt weniger als früher vor, dass Art Directoren dazu kleine Scribbles machen. Ich zeichne dann „Bleistiftskizzen" auf dem Cintiq für alle Frames und versende diese an die Art Direction. Es dauert meistens nicht lange, bis ich das OK mit ein paar Anmerkungen erhalte. Daraufhin zeichne ich die Skizzen mit sauberen Konturen und coloriere auf Ebenen. Manchmal integriere ich adaptierte Fotos für die Hintergrundstimmung. Bisweilen male ich bei Bedarf einen großen Hintergrund, von dem ich Ausschnitte für verschiedene Kameraeinstellungen/Frames nehme. Da ich alles in einer Datei mit vielen Ebenen mache, muss diese wegen der Größe oft auf einen Server geladen und dann vom Kunden herunter geladen werden.

Coca Cola, Shaqiri, David Norman für Schweizer Werbeagentur über Repräsentanz

 

Stehst du in direktem Kontakt zum Kunden oder ist immer eine Agentur dazwischen geschaltet?

Ich arbeite immer für die Werbeagentur, manchmal auch für das Animaticstudio oder einen Repräsentanten.

Kannst du kurz erklären, was Animatics sind?

Animatics werden meistens zu Marketingtest-Zwecken erstellt. Es sind gefilmte und vertonte Storyboards mit Kameraschwenken, Ebenen, die bewegt werden, und anderen Kunstgriffen, die einen filmischen Eindruck erzeugen. Beispiele gibt es auf meiner Website unten. 

Wie ist der Zeitrahmen bei deinen Aufträgen?

In der Regel ab sofort und so bald wie möglich. Man lernt die bedingungslose Effizienz.

Iglo, David Norman für BBDO

 

Mit welcher Technik arbeitest du?

Ausschliesslich digital auf dem Cintiq. Ich habe viele Photshoppinsel selbst erstellt, um diverse Effekte, z.B. Aquarell oder Bleistift zu erzielen.

Haben sich Arbeitsweise und Ansprüche in der Branche in den letzten Jahren verändert?

Definitiv. Wir Illustratoren sind nicht die einzigen mit der neusten Technik. Der Kunde weiß, was mit Photoshop und Co. alles möglich ist. Da er auch im Stande ist, Archivbilder selbst zu manipulieren und zu verarbeiten, kommen Aufträge an Außenstehende nur in Frage, wenn besondere Fähigkeiten nötig sind, um ein Konzept darzustellen, zum Beispiel Situationen zeichnen zu können - oft in einem fotoähnlichen Stil. Von Zeit zu Zeit ist jedoch das Zeichnerische, das Skizzenhafte erwünscht, um dem Endkunden ein Gefühl der lockeren Kreativität zu vermitteln und auch damit dieser sich nicht zu sehr an Details festhält.

Telekom, David Norman für Beecken's Agentur

 

Anders als die meisten Auftragsillustrationen werden Storyboards ja in der Regel nicht veröffentlicht. Als Bilder über der Wohnzimmercouch eignen sie sich auch nicht so sehr. Wünschst du dir manchmal eine größere Öffentlichkeit für deine Arbeit oder ist das für dich kein Thema?

Was mich motiviert, an anderen Projekten zu arbeiten ist das Verlangen, die gebündelten Kenntnisse, die man durch die jahrzehntelange Auseinandersetzung mit filmischen Darstellungen gewinnt, anderweitig einzusetzen. So habe ich ein Comic Album und ein Bilderbuch geschrieben und illustriert. Das nächste Projekt ist ein online Portal für anspruchvollere Kunstdrucke und Posters. Aster Fine Art Prints mache ich zusammen mit dem Grafiker Wolfgang Hülk und es startet im Herbst.   

Was würdest du Kollegen für den Einstieg ins Storyboard raten?

Zuallererst sich zu fragen, ob man der geeignete Typ dafür ist. Man muss stress-resistent sein, gut mit plötzlichen 90° - Wendungen umgehen und sich gut in die Konzepte anderer hineindenken können. Schnell zeichnen mit überzeugenden Anatomie- und Mimikkenntnissen ist auch ein Muss.  

Danke für das Interview!

Gern geschehen!

 

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Das Gespräch führte Constanze Spengler für die Illustratoren Organisation e.V.

(Red. CS)