Interview mit Therese Hein
Therese und ihr Arbeitsplatz.
Du bist freie Illustratorin in Fürth, wohin es dich nach deinem Illustrations-Studium in Hamburg zurückverschlagen hat. Was inspiriert dich an deiner Heimatstadt?

 

Am Anfang war es hier für mich echt nicht leicht. Von einer Großstadt wie Hamburg nach Fürth. Ich fühlte mich wie ein Römer in Gallien, obwohl ich hier in der Nähe (Nürnberg) geboren und aufgewachsen bin. Aber mittlerweile habe ich mein Fürth schätzen und lieben gelernt.
Ja, es ist teilweise wie ein Dorf, aber dennoch eine Stadt mit einem großen Herzen, die vieles in sich vereint. Verschiedene Nationalitäten, coole Kneipen, nette Cafés, den Stadtpark, wunderschöne alte Häuser und viel Kunst und Kultur. Dies alles gibt mir Ideen, Anregungen und Entspannung.

Illustration aus Thereses Examensarbeit, dem etwas anderen Stadtführer Nürnbergs.

Du bist neben dem Illustrieren auch in verschiedenen Veranstaltungen in Fürth involviert. Was genau machst du alles?

Seitdem ich wieder in Fürth lebe (und auch bereits zu meinen Hamburger Zeiten) war ich viel als Künstlerin sowie als Mitorganisatorin von Ausstellungen unterwegs. 

Z.B. habe ich die Kunstgucker-Fürth - eine Plattform für professionell Kreative aus der Region Nürnberg, Fürth und Erlangen - mit ins Leben gerufen und organisiert. Ausserdem habe ich bei einigen Veranstaltungen seitens der Stadt teilgenommen, wie „Von Künstlern fürs Quartier", „Aktion Kunst und Handel" in der Innenstadt, „175 Jahre Bahn", Tag der offenen Hinterhöfe oder der offene Ateliertag.
Seit diesem Jahr konzertiere ich mich fast ausschliesslich auf Aktionen mit Illustratoren meines 2009 gegründeten Illustratorenstammtisch Nürnberg. Denn ich möchte auch noch genug Zeit für meine Arbeit und meine kleine Tochter haben. Naja, aber wenn sich etwas Interessantes ergibt, kann ich selten „nein" sagen...Z.B. zur im Mai stattfindenden BuchmarktSchau im Rahmen des Fürther Literaturfestes „Lesen!.

Illustration für eine Geburtstagskarte, eine freie Arbeit.

Welche Anlaufstellen für Illustrationsverliebte kannst du in Fürth außerdem empfehlen?

Mmh, so eine richtige Szene für Illustration gibt es meiner Meinung nach nicht. Kleine Nischen - ja!

Die Kunst Galerie zeigt z.B. diese Jahr Illustrationen zum Thema „Kindheit im Krieg". „ART Das Kunstschaufenster" im City Center. Hier gibt es immer mal wieder sehenswerte Ausstellungen im grafischen oder illustrativen Bereich. „Jungkunz", eine kleine aber feine Buchhandlung, mit kompetentem, freundlichem Personal und einer schönen „Bücherdurchblätteratmosphäre". Hier habe ich schon so einiges an Geld gelassen - für tolle Kinderbücher (dafür habe ich eine Schwäche). 
Oder man schlendert zur Weihnachtszeit über den oscar.selbstgemacht-Markt
(Der übrigens im Rahmen des 10-Jährigen Jubiläum der IO in Kooperation mit den Illustratoren Nürnberg stattfand) - hier kann man immer wieder einige Illustratoren treffen. 
Die 1-A-Anlaufstelle ist natürlich der Illustratorenstammtisch Nürnberg, Fürth und Umgebung, der sich jeden ersten Montag im Monat trifft.

Eine weitere Illustration aus Thereses Abschlussarbeit, dem etwas anderen Stadtführer Nürnbergs.

Als gelernte Krankenschwester gehen dir die Themen für Illustrationen bestimmt nicht aus, oder?

Ganz ehrlich, mit meinem „Krankenschwesterdasein" habe ich schon lange abgeschlossen. Es war eine komplett andere Welt und Arbeitsweise, welche ich aber durchaus nicht missen möchte. 

Es war nicht verkehrt, einmal als „normal Angestellte" zu arbeiten. Vielleicht hilft mir das auch manchmal, Menschen besser zu verstehen, welche sich nicht in den Beruf und Alltag eines Freiberuflers hineinversetzen können. Meine Anregungen hole ich mir durch mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde und den Situationen des täglichen Lebens.

Illustration für den immerwährenden limitierten Geburtstagskalender von "12 im Weckla".

An was arbeitest du jetzt gerade?


Im Moment arbeite ich an einer Suchbildillustration für ein Schweizer Familienmagazin, einer grafischen Arbeit für das Theater Salz+Pfeffer und einige Projekte parallel: Einem Kinderbuchprojekt, einer Arbeit für die Ausstellung „Druckreif" (Gruppenausstellung mit einigen Illustratorenkollegen vom Stammtisch) und ein, zwei freien Arbeiten.

Wie kam es eigentlich, dass du Illustratorin werden wolltest?

Wie das Leben manchmal so spielt - über Umwege ;-). 
Ursprünglich sollte es mal ein Studium zur Kunsttherapeutin werden. Drangehängt an die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. 
Tja der Liebe wegen bin ich damals nach Hamburg gezogen und dort gab es keine Studienmöglichkeiten zur Kunsttherapeutin. Also habe ich erst mal im ambulanten Pflegedienstes gearbeitet. Allerdings wurde mir schnell klar, dass ich dies nicht bis zu meiner Rente ausüben möchte. 
Und da ich schon seit meiner Kindheit gemalt und gezeichnet habe (der Antwortklassiker) und dies auch während meiner Ausbildung nicht lassen konnte - wollt ich meine Leidenschaft zum Beruf machen. Und an einem Infotag hatte es sich dann rauskristallisiert - ich wollte Illustratorin werden.

Eine der besten Entscheidungen in meinem Leben!

Illustrationen für die Ausstellungsserie "Schmalz".

Was wäre ein absolutes Traumprojekt, dass du gern verwirklichen würdest?

Oh, da gibt es einige ... 
Eines hat sich schon verwirklicht - Gleichgesinnte in Fürth zu finden, sich auszutauschen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. 
„Urbane Kreaturen" (ein Projekt welches Herr Altstaedt aus Hamburg zu Papier gebracht hat und ich illustriere) in gedruckter und gebundener Buchform in den Händen zu halten. 
Dass das Kinderbuchprojekt, an dem ich derzeit arbeite, ein absoluter Hit wird ...
Aber ein wirklich großer Herzenswunsch ist nach wie vor einen Verlag für meine Abschlussarbeit (den etwas anderen Stadtführer Nürnbergs) zu finden und diesen dann noch für weitere Städte umsetzen zu können.

Vielen Dank, liebe Therese!

Gerne!

Thereses Portfolio Seite

www.typischresi.de

Alle Bilder zum Interview: Therese Hein

Das Interview fuehrte Anne Quadflieg fuer die Illustratoren Organisation e.V.