Interview mit Amrei Fiedler
Amrei Fiedler berichtet uns im Interview vom LUKS Magazin, einem Heft von Illustrationsstudenten der HAW, dass sie 2012 mitgegründet hat.
 

Du bist freie Illustratorin in Hamburg. Berichtest du uns kurz von deinem bisherigen Werdegang?

Ursprünglich wollte ich Mode studieren, da in meiner Schule Mode-Design angeboten wurde und es immer mein Lieblingsfach war. Ich musste erst ein halbes Jahr in Buenos Aires leben um bei einem Besuch der dortigen Uni festzustellen, dass ich mich in dieser Modewelt mit ihrer Ellenbogenmentalität auf die Dauer einfach nicht wohlfühlen würde. Auf einem Markt sprach ich eine Aquarellkünstlerin an, ob sie mir nicht beibringen könnte, wie man zeichnet.
Links sehen wir eine Illustration für den illustrierten Taschenkalender 2014 von tapir&klotz zum Thema Weltkatzentag und rechts eine Abbildung von Amrei und Schmu, also ihrer Tochter.

In meinem Studium an der HAW Hamburg habe ich mich mit den verschiedensten Techniken und Bereichen der Illustration vertraut gemacht, habe fotografiert, animiert, geschnitzt und gedruckt und sehr viel gemalt und gezeichnet. Seit meiner Diplomarbeit arbeite ich freiberuflich als Illustratorin und mache nun parallel dazu noch meinen Master.

Hier sehen wir die ersten beiden Ausgaben des LUKS Magazins, dem Heft der Illustrationsstudenten der Hamburger HAW.
 

Ich habe deinen Namen schon oft im Zusammenhang mit dem LUKS Magazin gelesen! Was genau hat es denn mit diesem Heft auf sich und in welcher Weise bist du involviert?


Ja, das LUKS Magazin. Während des Studiums habe ich mit einigen wenigen Anderen das Privileg genossen, einen Atelierplatz in der Uni nutzen zu dürfen. Innerhalb dieser Ateliergemeinschaft bestand schon länger der Wunsch ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. 
Ein Magazin, das autonom von Studierenden der Illustration geleitet und gefüllt wird.
So eine Plattform gab es zu dem Zeitpunkt (2012) schon in etlichen Städten an diversen Hochschulen, nur bei uns in Hamburg nicht. Eine klaffende Lücke, die es zu schließen galt. Bei einem Glas Wein und lauter Livemusik entstand mit Hilfe von Zettelchen und stiller Post das Thema der ersten Ausgabe „unglaublich laut!“.

Während das Thema schnell gefunden war, gestaltete sich die Namensfindung als schwerer, basisdemokratischer Kraftakt mit etlichen Vorschlägen, Entscheidungen und Verwerfungen. 


Amreis Beiträge für Luks 1 und 2.
Teil unseres Konzeptes ist es, dass LUKS an der Hochschule bleibt, nur Beiträge von Studenten der HAW veröffentlicht und eine immer wechselnde Besetzung in der Redaktion die Fäden in der Hand hält. Einerseits bleibt das Magazin dadurch immer neu und aktuell, andererseits bedeutet das für die GründerInnen auch das Projekt vertrauensvoll in neue Hände zu legen und sich schweren Herzens vom LUKS zu verabschieden. Auch für mich heißt es jetzt mit der dritten Ausgabe, Tschüß LUKS und alles Gute auf dass wir irgendwann bei einer großen Jubiläumsfeier wieder aufeinander treffen.

Allerdings habe ich keinerlei Zweifel daran, dass LUKS weiterbestehen wird, denn trotz alljährlicher kräftezehrender Bemühungen um eine Finanzierung, ist das Engagement und die kreative Energie hier an der HAW so geballt, dass sie auf das LUKS als Ventil einfach nicht verzichten kann.

Mittlerweile wollen so viele Leute dabei sein, dass die Zahl der Beiträge zugunsten einer händelbaren Seitenzahl begrenzt werden musste. Auch die nächste Ausgabe zum Thema „Tabu“, die im Juni erscheint, wird wieder alles zeigen, was die Illustration an stilistischen, technischen und künstlerischen Facetten zu bieten hat.
Da Ausgabe eins und zwei beide bereits vergriffen sind, lohnt es sich über norstarter.org/luks3 ein Exemplar des LUKS Magazins vorzubestellen und so gleichzeitig das Projekt zu unterstützen.

 
Illustration für das Buch "Maldito Diente!" von 2013.
 
Wie hat sich dein typischer Stil geprägt?

Den größten Teil des Studiums habe ich diesem Phantom nachgejagt. Mein eigener Stil. Wie sieht er aus und wie finde ich ihn? Ich glaube das steht bei so ziemlich Jedem am Anfang des Illustratorendaseins. Und eines Tages plötzlich schaut sich Jemand ein Bild von dir an und fragt dich: „Ist das von dir? Ja, hab ich gleich erkannt!“
Bei mir war das bei meinem ersten Buch „FundHund“ aber es dauerte noch eine ganze Weile bis ich dahinter kam, dass mein Stil nicht an die Technik oder das Werkzeug geknüpft ist. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich mit Kugelschreiber und einer Übermalung mit Acryl, wodurch ich eine Bewegung in die Bilder bringen konnte, die mir aus dem Trickfilm bekannt war.
 
Erstaunt stellte ich fest, dass auch Siebdrucke, Tuschezeichnungen und Malereien sofort als meine erkannt wurden. Es wäre ja auch zu schade, wenn ich bis heute und in alle Ewigkeit nur noch mit Kugelschreiber zeichnen könnte.

Hier haben wir Impressionen aus Amreis Skizzenbuch. Links im Wartezimmer und rechts beim Geburtsvorbereitungskurs.
Meine Inspirationen kommen viel aus meiner eigenen Kindheit aber auch von den Menschen und Tieren die mich umgeben. Wenn man genau hinsieht kann so ein schnarchender Hund oder eine vor Wonne vom Dachpurzelnde Katze Inspiration für ganze Regale voller Skizzenbücher sein. Ein Skizzenbuch habe ich auch ständig dabei um überall und in jeder möglichen Situation alltägliches, merkwürdiges und gefühltes festzuhalten.
Meine momentanen Top drei der ungewöhnlichen Zeichensituationen. 1. In den Wehen 2. Beim Stillen 3. Beim Yoga.
Illustration für Amreis Diplomarbeit "Herrn Pastor sien Koh".
 
Du bist spezialisiert auf Kinderbücher. Wie und wann hat sich diese Richtung herauskristallisiert?

Mein erstes Bilderbuch „FundHund“ wurde gleich für die Ausstellung in Bologna ausgewählt, was mir irgendwie zeigte, dass ich in der Ecke wohl nicht ganz falsch sein konnte. Während ich den ersten Besuch in Bologna noch konsequent unter dem Motto „Welpenschutz“ absolvierte und den ganzen Zirkus auf der Messe eher aus der eingeschüchterten Beobachterperspektive betrachtete, war ich mit der Teilnahme an der Ausstellung plötzlich auch schon Teil dieser faszinierenden, bunten, schnellen Welt. Nach einigem Herzklopfen und viel Schlangestehen waren mir zwei Dinge klar. Ich wollte weiterhin Teil von diesem verrückten Mikrokosmos sein, ich wollte mit LektorInnen sprechen, Konzepte entwickeln, Geschichten erfinden, illustrieren und phantasieren, aber ich würde mich nicht weiter in diese Selbstvertrauen vernichtenden endlos langen Schlangen stellen. 
Ich habe im Vorfeld Termine vereinbart und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und innerhalb von Minuten im Kopf ganze Buchreihen erdacht. Nicht zuletzt ist Bologna eine wunderschöne, kreative und leckere Stadt und hat mit ihrem Charme auch dazu beigetragen mich in die Kinderbuchecke zu bewegen.
 
Meine Diplomarbeit, das Bilderbuch „Herrn Pastor sien Koh“ fand schnell einen Verleger und so kam eins zum Anderen. Ich mache auch sehr gern Illustrationen für Zeitschriften, Magazine oder das Netz aber am Ende eines längeren, intensiven Prozesses ein Buch in der Hand zu halten ist für mich einfach das Schönste. Ein Buch das sich neben dem visuellen Reiz auch gut anfühlt, das gut riecht und beim umblättern, eingekuschelt in Decken und Kissen mit seinem Seitenrascheln auch noch gut klingt.
Eine Illustration für Amreis Akquise.
Wir sind gespannt, wie denn ein normaler Arbeitstag bei dir aussieht.


Uh, die Frage ist schwer zu beantworten.
Vor kurzem habe ich mein bisher längstes und spannendstes Projekt begonnen. Ich habe meine kleine Tochter zur Welt gebracht. Sie ist mein Licht, mein Augenstern aber leider ist sie auch mein Boss und meine Uhr.


Gerade läuft es noch so, dass ich mich in ihren Schlafphasen zwischen Schreibtisch, Kochen und Wäschemachen entscheiden muss. Alles geht langsamer aber auch konzentrierter als gewohnt. Die knapp bemessene Zeit effektiv nutzen. Das steht gerade auf meinen Stundenplan und ich werde immer besser in diesem Tanz zwischen Spucktüchern, Kochtöpfen, Bleistiftskizzen und Anne Kaffeekanne.

In Kürze steht eine Ausstellung mit unserem Künstlerkollektiv tapir&klotz an, dafür muss noch ein Bild her. Das LUKS Magazin nähert sich rasant dem Drucktermin, die Arbeit am neuen Bilderbuch geht in die heiße Phase, die Homepage, für die ich Bilder mache, soll online gehen und der Master soll auch noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Dann gibt es da noch die zwei angefangenen eigenen Buchprojekte die mich aus der Schublade rufen und natürlich meinen kleinen Frieden, der gerade nebenan in seinem Stubenwagen liegt und schläft.

Viel. Aber schoen. Wirklich schoen.


Amreis Portfolio Seite

www.spatzundhirn.de

Alle Bilder zum Interview: Amrei Fiedler // Foto von Amrei: Till Glaeser

 

Das Interview fuehrte Anne Quadflieg fuer die Illustratoren Organisation e.V.