Interview mit Anne Quadflieg

Anne Quadflieg illustriert vorwiegend fürs Editorial. Neben der Arbeit engagiert sie sich in der IO-Newsredaktion und hat dort vor einem knappen Jahr den Anstoß für unsere Interview-Reihe gegeben. Hier kommt sie nun selbst zu Wort.

Liebe Anne, dieses Interview ist sozusagen ein Heimspiel: Du hast den Anstoß für unsere Interviewreihe auf der IO-Website gegeben und selbst viele Gespräche mit Kollegen geführt. Was ist für dich das Spannende an den Interviews?

Das ist Einiges! Jeder Illustrator recherchiert ja wahrscheinlich hier und da mal nach anderen Illustratoren, um sich abzugleichen und einfach zu gucken, was andere so machen. Aber wenn das Ganze noch einen „richtigen” Sinn hat - ich also nach neuen potenziellen Interviewpartnern suche – macht es irgendwie noch mehr Spaß! Ausserdem stelle ich gern regionspezifische Fragen, z.B. nach Gemeinschaftsgalerien und anderen illustratorischen Netzwerken, die sich die Leute aufgebaut haben. Ist ja für den Leser eine super Gelegenheit, davon zu erfahren.
Das tolle an den IO-Interviews ist auch, dass wir Einblick ins Studio bekommen und den Illustrator beim Arbeiten sehen. Überhaupt finde ich den Menschen hinter der Illu und seinen Arbeitsalltag sehr sehr spannend!

Dein Engagement für die IO kostet ja einiges an Zeit – profitierst du auch davon?

Die Interviews sind definitiv ein zusätzlicher Zeitfaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Ich mache es meist so, dass ich mehrere Interviews zeitgleich organisiere, anstatt jedes einzeln. Auf diese Weise kann ich mich richtig schön reinfuchsen in die Materie, und mich anschließend über das Ergebnis freuen.

Illustration für Das Magazin

 

Was illustrierst du gerade?

Ich arbeite im Moment an einer weiteren Illustration für die Laviva Kolumne und an einer Illustration für das Chefkoch Magazin. Außerdem habe ich gerade eine Postkartenillustration für Promotionszwecke meiner neuen Repräsentanz – Agent Azur aus Wien – angefertigt.

Illustration für LaViva

 

Deine Illustrationen sind stilistisch recht unterschiedlich. Wonach entscheidest du, was für einen Auftrag die jeweils „richtige” Technik ist?

Oftmals entscheidet der Kunde das schon vorher für sich, einige Bildredakteure wissen glücklicherweise bereits, wie sie mich einzuordnen haben. Wenn das aber nicht der Fall ist, mache ich natürlich Vorschläge, wie man ans Thema rangehen kann. Meine Holzillustrationen kommen aufgrund ihrer speziellen Optik relativ selten in Frage, manchmal passen sie aber auch richtig gut, z.B. bei Natur- und Nachhaltigkeitsthemen oder für das Wald Magazin.

Illustration für DBmobil

 

Hast du vor dich in Zukunft stärker auf einen deutlich wiedererkennbaren Stil zu konzentrieren oder liegt der Reiz für dich gerade in der Vielfalt?

Das ist eine interessante Frage, deren Beantwortung mich schon eine Weile beschäftigt. Einerseits finde ich es schön, so vielfältig arbeiten zu können und es würde mir auch wahnsinnig schwer fallen, mich nur noch auf eine Bildsprache zu beschränken. Andererseits denke ich bei anderen Illustratoren oft, dass es toll ist, wenn man die Illu sieht und sofort zuordnen kann, von wem sie ist, ohne den Credit gelesen zu haben. Tatsächlich ist bei mir in letzter Zeit auch eine Haupttendenz in Richtung Aquarelle festzustellen. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, dass das auch in 3 Jahren noch so ist. Illustration bedeutet für mich auch eine Form von Zeitgeist, in der – natürlich sich selbst treu bleibend – der Spaß an neuen Techniken nicht verloren gehen sollte.

Illustrationen für Brigitte

 

Aus welchen Bereichen kommen deine Auftraggeber?

Im Moment sind es hauptsächlich Magazine, ich arbeite aber auch für Agenturen. Ausserdem hatte ich schon einige Male die Freude, Wandgestaltung für Firmen und Modehäuser zu machen. Das macht besonders Spaß, weil der Job dann zu einer körperlichen Arbeit wird und eine Wand natürlich eine ganz andere Dimension hat als ein Blatt bzw. ein Bildschirm.

Arbeit an der Wandgestaltung für Etage Eins

 

Da hast du wahrscheinlich oft mit engen Terminen zu tun – wie gehst du mit dem Zeitdruck um?

In einigen Fällen ist es zwar schon so, dass ich am Wochenende arbeite, dennoch habe ich eine ganz gute Work-Life-Balance. Es ist ehrlich gesagt auch keine Seltenheit, dass ich mir abends schon wünsche, dass es morgens ist und ich weiterarbeiten kann, wenn ich gerade was besonders Spannendes habe. Ich liebe diesen Job einfach!
Übrigens machen mir auch Akquise und Websitepflege Spaß – eine neue Veröffentlichung publik zumachen bringt mir noch immer die größte Freude!
Das erinnert mich jetzt daran, dass ich als Siebenjährige ein selbst gemaltes Pferdebild an die Zeitschrift „Mein Kleines Pony” geschickt habe und es tatsächlich abgedruckt wurde … es macht Sinn, dass ich Illustratorin geworden bin – auch wenn ich von diesem tollen Beruf damals noch nichts geahnt habe.

Illustrationen für Maxi

 

Du hast im letzten Jahr Erfahrungen und Kenntnisse in der Bildredaktion eines Magazins sammeln können. Hat der Blick von der Kundenseite verändert wie du illustrierst? Oder wie du deine Akquise angehst?

Meine Illustrationsweise hat es nicht wirklich verändert, aber ich habe sehr spannende Einblicke bekommen, was Abläufe, Abstimmungen und Feedback betrifft und wer alles an Entscheidungen mitwirkt.
Es ist auch toll zu sehen, mit welchem Anspruch und welcher Freude ein bildnerisch ästhetisches Heft gemacht wird, von der Bildrecherche über Briefingvergaben bis zum gedruckten Magazin oder E-Magazine.

Vielen Dank für das Interview!

Zu Annes IO-Portfolio

Mehr zu Anne Quadflieg: http://annequadflieg.wordpress.com/

Alle Bilder zum Interview: Anne Quadflieg

 

Das Gespräch führte Constanze Spengler für die Illustratoren Organisation e.V.

(Red. CS)