Interview mit Mareike Engelke
Mareike samt Katze an ihrem Arbeitsplatz und eine Illustration, die Mareikes heimliche Liebe zum Ruhrgebiet zum Thema hat.

 

Wie lebt es sich als Illustratorin in Duisburg?

 

 

In Duisburg habe ich einen Raum in einem Atelierhaus im Industriehafen gemietet. Im Haus arbeiten 12 Designer, Künstler, Fotografen, eine Kunsthistorikerin, auch noch weitere Zeichnerinnen. Wir haben Sicht auf das Hafenbecken mit Kränen und Containern. Gemeinsam betreiben wir eine kleine Galerie in der Innenstadt.

 

In Duisburg und dem gesamten Ruhrgebiet lebt es sich recht günstig, so dass auch viel Platz zum Arbeiten recht erschwinglich ist. Hier ist dafür alles natürlich viel weniger schick, was aber auch den besondern Charme ausmacht. So eine Art heimliche Liebe zum Ruhrgebiet ist bei mir schon vorhanden. 

Das Ruhrgebiet als Standort kann ja sowieso als ein großer Raum gesehen werden. Die Kulturschaffenden vernetzen sich hier viel und gerne. 

 

Ich lebe nicht allein von Illustrationsaufträgen, das nimmt für mich ein wenig den Druck raus. Ich habe also auch weitere Projekte aus den Bereichen Design und Konzeption. Nebenbei arbeite ich fest ein paar Stunden in der Woche als Kommunikationsdesignerin in einem Studentenwerk. Ein Job-Patchwork irgendwie.


 

Eine Auftragsarbeit zum Thema Kinderrechte im Menschen Magazin von der Aktion Mensch.

Aus welchen Bereichen kommt deine Kundschaft?

 

Bisher arbeite ich hauptsächlich für Magazine. Es hat sich für mich zufälligerweise eine Tendenz ergeben, für viele „menschenfreundliche“ Organisationen zu zeichnen. Das ist natürlich doppelt schön. Dazu kommen Auftraggeber aus der Region, die natürlich auch Illustrationen benötigen. 

Zudem versuche ich mir immer auch Raum für selbstinitiierte Projekte zu erhalten, Buchprojekte, kleine Apps, der WORKMOPP…

 

Eine Illustration für das Amnesty Journal.

Wie würdest du selbst deinen Stil definieren?

 

Meine Illus sind raue und rohe mixed-media Zeichnungen. Sie sind ein bisschen verspielt, handgemacht, (auch haptisch) vielschichtig, intuitiv. Ich benutze Stifte, Gouache, zerschneide Papiere, schreibe dazu und verschwende alte Letraset-Bögen und andere Fundstücke. Ich finalisiere und bearbeite es dann ausgiebig digital. 


 

Impressionen zum WORKMOPP, dem Kreativworkshop für Jedermann, den Mareike mit ihrer Kollegin ins Leben gerufen hat.

 

Stichwort Workmopp: Was ist das und wie ist es entstanden?

 

Der WORKMOPP ist ein wilder Kreativtag, der es 3 bis 6 Personen ermöglicht, in unserem Atelier in unseren Techniken zu arbeiten. Wir, das sind meine Atelier-Mitmieterin und gute Freundin Fee Brandenburg und ich.

 

Ein wichtiger Bestandteil ist, dass der Teilnehmer zum WORKMOPP nichts mitbringen muss. Weder Material, noch Vorkenntnisse und schon gar keine gute Laune. 

Jeder bekommt zu Beginn eine supersexy Wundertüte mit sämtlichem Zubehör für viele kleine Werke. Dabei entsteht in der Gruppensituation ein hohes Maß an Kreativität, das sehr ansteckend ist. 

 

Wir planen, den WORKMOPP in diesem Sommer mit sehr sehr vielen Leuten gleichzeitig durchzuführen und so eine Ausstellung in kürzester Zeit auf die Beine zu stellen. 


 

"Junior Schlaf", eine freie Mixed Media Illustration.

 

Beschreibe uns doch mal, wie ein gewöhnlicher Arbeitstag bei dir aussieht.

 

An meinen Illustrationstagen läuft ein Tag so ab, dass ich mit einem Kaffee im Bett schon mal durchgehe, was ich machen will. Ich schreibe meist einige Stichpunkte zu laufenden Aufgaben auf, komplett gemütlich, und visualisiere Abläufe vor meinem geistigen Auge und konzentriere mich. 

Danach kann ich mich gut auf die kreative Arbeit einlassen. Entweder fahre ich dann zu meinem Arbeitsraum im Duisburger Hafen oder ich arbeite zuhause, wo mein Scanner steht. Ich liebe es aber auch konzeptionell zu arbeiten und lasse der Denkarbeit viel Raum. Die Bildideen haben sich bereits im Geiste geformt, bevor ich sie dann umsetze. 

 

Dann irgendwas zum Mittagessen, gerne auch mit anderen, gerne auch frische Luft schnappen, weitermachen, Katze kraulen, Ideen finden, zeichnen, suchen, finden, abschweifen, scannen, klicken, denken, warten, anrufen, ...

 

Das Atelierhaus Hafenkult sowie die dazugehörige Ladengalerie, indem man allerhand Illustratives erstehen kann.

Welcher Grundgedanke war für dich ausschlaggebend, um Illustratorin zu werden?

 

Es klang gut, dass es überhaupt so einen Beruf gibt. Im ersten Semester des Designstudiums war es dann irgendwie für mich ausgemachte Sache. 

Zeichnen ist herrlich handwerklich, hat geistigen Tiefgang und schafft Werte. 

Ein kreatives Arbeitsleben zu führen ist das beste und einzige, was ich tun kann. 

Mareikes Beitrag für das Illustrationsverzeichnis Work/Life 3 sowie eine freie Arbeit mit dem Titel "Schnee".

Besten Dank fuer das Interview!

 

Mareikes Portfolio Seite


www.mareikeengelke.de

www.facebook.com/workmopp

 

Alle Bilder zum Interview: Mareike Engelke

Das Interview fuehrte Anne Quadflieg fuer die Illustratoren Organisation e.V.