Interview mit Rosemarie Schöningh
Rosemarie an ihrem Arbeitsplatz sowie eine Arbeit für das Impulse Magazin.
Wie kam es dazu, dass du Illustratorin werden wolltest?

Die Antwort darauf ist wahrscheinlich der Klassiker schlechthin: bereits als Kind habe ich gern gemalt und gezeichnet. Etliche Comics und Trickfilme wurden von mir verschlungen und meine eigenen Ideen habe ich bereits früh in Comicform auf Papier gebracht. Diese Leidenschaft hat sich auch bis heute gehalten, wenn auch das Comiczeichnen aus Zeitgründen leider weniger geworden ist. 
 
Nach dem Abitur war ich zuerst recht planlos. Aber ich entdeckte, dass man Illustration studieren kann und dass sich dahinter ein richtiger Beruf verbirgt. Zuerst habe ich locker drauf los studiert, hier und da reingeschnuppert und auch Trickfilm-Kurse belegt. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, als Freiberuflerin zu arbeiten, aber je mehr sich mit der Zeit mein Stil und die Richtung gefestigt hatten, desto sicherer wurde ich, dass das schon irgendwie klappen wird. 
Eine freie Illustration zum Thema Pendeln.
..und wie bist du damals an deine ersten Aufträge gekommen?

Nach dem Diplom habe ich eine dreimonatige Berufsfortbildung für Kreative besucht. Während sich das Studiums größtenteils auf die kreative Ausbildung konzentriert hat, konnte ich in der Fortbildung alles Wissenswerte für den Start in die Freiberuflichkeit lernen. Akquise war natürlich ein großes Thema.
Ich bin zuerst ganz klassisch mit Mappe unter dem Arm über die Leipziger Buchmesse geschlendert, und konnte dadurch meinen ersten erfolgreichen Auftrag verbuchen. Es folgte die Kaltakquise per Telefon, Mail und Post. Vorher habe ich im Kiosk jede Zeitschrift durchgeblättert, bis meine Daumen schwarz waren. Ich notierte mir das Impressum jeder Zeitschrift, die mit Illustrationen arbeiteten und hatte dadurch eine lange Liste, die ich abarbeiten konnte. Das hat dann auch gefruchtet. Nach einiger Wartezeit stellten sich weitere Aufträge ein und der Stein kam ins Rollen.
Ein Bild aus einer Animation, die Rosemarie für Stern.de erstellt hat. Inhalt ist "Das Rebsorten-ABC".
Du hast ein breites Spektrum, machst auch Filme! Wie schaut da der Arbeitsprozess genau aus?

In die Trickfilmgeschichte bin ich eher zufällig reingerutscht. Ein Bekannter suchte jemanden, für die Realisierung einer Web-Trickfilmserie. Ich habe natürlich sofort zugesagt, meine Trickfilm-Kenntnisse aus dem Studium aufgefrischt und losgelegt.
Seitdem folgten weitere Aufträge, die mir neben der Illustration eine schöne Abwechslung bieten.
Der Arbeitsprozess ist unterschiedlich, je nachdem, welche Vorgaben ich habe. Mal gibt es schon ein fertiges Drehbuch mit grob angelegten Szenen, dann wiederum nur eine Tonaufnahme oder die Grundidee, zu der ich selbst das Storyboard erarbeite. Ich biete dann dem Kunden mehrere Stile an, meist indem ich unterschiedliche Figuren zeichne oder collagiere.
Wenn sich der Kunde einig ist, in welche Richtung es gehen soll, stelle ich das Layout fertig, hole mir nochmals das "ok" ein und beginne mit der Animation. Nach Fertigstellung des Films folgt die Korrekturphase bis hin zur finalen Abnahme. Der Kontakt mit dem Kunden erfolgt dabei meist per Mail oder Telefon.
Eine Sequenz aus einem von Rosemarie erstellten Image-Film für G+J Media Sales.

Das genau verbirgt sich hinter dem Wort "Animation"? Wieviel Zwischenschritte sind es ungefähr bei z.B. 1 Minute Laufzeit und mit welchem Programm arbeitest du?

Von Zwischenschritten kann man in meinem Fall nicht direkt sprechen, da ich vorwiegend Cut-Out-Animationen erstelle.
Hier befinden sich die gezeichnete Elemente auf unterschiedlichen Ebenen, die am Rechner separat bewegt werden. Mit dem Programm Anime Studio Pro lässt sich diese Technik gut einsetzen. Das Praktische ist, dass man nicht Bild für Bild zeichnen muss, sondern nur einmal alle Elemente zeichnet und diese dann über den Bildschirm "schiebt". Es ist also eine recht zügige Methode.
 
Momentan allerdings beginnt gerade ein Projekt, in dem ich diesmal einen gezeichneten Trickfilm erstelle. Ich zeichne 12 Bilder pro Sekunde, also 720 Bilder die Minute und bin selbst gespannt, wie lange ich dafür brauchen werde.
Eine Illustration für das Magazin Gesund Arbeiten.
Auf welche Weise empfindest du den Standort Hamburg als Illustratorin?

Durch meine Studienzeit in Hamburg hat sich ein persönliches Netzwerk aus Illustratoren gebildet, so dass  ich ständig über kleine Ausstellungen und Veranstaltungen auf dem Laufenden gehalten werde. Und auch wenn ich zur Zeit dieses Angebot eher weniger nutze, empfinde ich es als sehr schön, in einer kreativen Stadt zu leben und zu arbeiten. Da reicht es manchmal schon aus, die Plakate auf dem Weg anzuschauen, um inspiriert zu werden und am Hafen gibt's dann ein Fischbrötchen auf die Hand!
Eine Arbeit zum Thema Reisen sowie ein FlyerDesign, beides für die Neue Züricher Zeitung.
Was hilft dir am besten den Kopf freizubekommen und neue kreative Energie zu tanken?

Gerade zu Beginn eines neuen Projektes gehe ich gern im Wald spazieren und lasse meine Gedanken schweifen. Auf diese Weise kann ich mir im Vorfeld grobe Konzepte überlegen und manchmal kommen auch da bereits ein paar gute Ideen, die ich dann zu Hause notiere. Wenn ich in Stress-Phasen eine Pause brauche, dann schwinge ich mich aufs Fahrrad und radle um die Alster. Bewegung an frischer Luft hilft mir meist mehr, als erwartungsvoll auf ein leeres Blatt Papier zu starren. Aber es gibt auch Phasen, in denen ich ununterbrochen am Schreibtisch sitzen muss und erst mit Beendigung des Projektes Zeit finde, Energie zu tanken.
 
Besten Dank für das Interview, Rosemarie!
 

Rosemaries Portfolio Seite

www.fraurosi.de 

Alle Bilder zum Interview: Rosemarie Schöningh

Das Interview führte Anne Quadflieg für die Illustratoren Organisation e.V.