Interview mit Niklas Hughes
Niklas an seinem Arbeitsplatz sowie eine Arbeit mit dem Titel "Militärischer Abschirmdienst".

Studiert hast du in Nürnberg und Mainz. Wie kommt es, dass man dich mittlerweile in Hamburg antrifft?

Unsere Familie ist eigentlich immer viel auf Achse gewesen. Mein Vater war damals Rettungshubschrauberpilot bei der Bundeswehr und hat danach über verschiedene Umwege noch Pharmazie studiert, da sind wir praktisch jedes Jahr in eine andere Stadt gezogen. Meine Jugend habe ich in Oldenburg verbracht, ich bin dann aber später zum Studieren nach Nürnberg gezogen. Während des Design-Studiums habe ich dann meine jetztige Frau kennengelernt.

Da wir beide begeisterte Zeichner waren, haben wir uns nach einer Uni umgesehen, wo der Schwerpunkt nicht so sehr auf Werbung lag, sondern im Erlernen verschiedener Mal- und Zeichen-Techniken und unsere Wahl fiel dann auf Mainz. Nach dem Diplom haben wir noch ein paar Jahre in Mainz und Frankfurt gearbeitet aber auf lange Sicht zog es uns beide dann weg von dort in eine möglichst große Stadt. Wir brauchten nicht besonders lange, um uns für Hamburg zu entscheiden und haben dann unglaublicherweise auch sofort eine gemütliche Wohnung gefunden und sind praktisch über Nacht nach Hamburg umgezogen. Heute können wir uns nicht mehr vorstellen, jemals woanders zu leben.
 

Eine Arbeit im Comicstil zum Thema Spezialkräfte.

Berichtest du uns ein bisschen über das kreative Leben in den Städten Nürnberg..?


Das kreative Leben in Nürnberg beschränkte sich für mich persönlich in erster Linie auf die Lektüre von allem, was ich an Lesbarem in die Finger bekam. Im, aus meiner damaligen Sicht, recht konservativen Nürnberg hatte ich nicht oft das Gefühl, besonders viel von der Außenwelt zu verpassen, daher blieb ich die meiste Zeit über in meinen vier Wänden und las oder zeichnete. Die Geschichte und die gotische, z.T. recht bedrohliche Architektur der Stadt übte trotzdem einen besonderen Reiz auf mich; ich habe unzählige Skizzen, Schraffur-Zeichnungen und Gouachen von Häusern und Gebäude-Komplexen aus dieser Zeit im Archiv.

Bannerillustration für Niklas´Facebookpage.

..und Mainz? Gab es Illustrationsausstellungen, Künstlerkollektive oder andere Dinge, von denen du als Studierender profitieren konntest?


In Mainz  habe ich in der Anfangszeit eigentlich fast nur Ölbilder gemalt, das Design-Studium empfand ich (abgesehen von den Zeichen- und Mal-Kursen) eher als Nebensache. Es gab in Mainz eine ganze Reihe von kleinen Galerien, Kunst-Kollektiven und Design-WGs, allen voran das "pengland ", wo ich meine Bilder ab und zu ausstellen konnte und ziemlich viele Leute kennenlernte. Ein paar davon sind später auch in Hamburg gelandet und zählen jetzt zu meinen engsten Freunden.

Richtig zur Illustration gekommen bin ich erst durch einen befreundeten Kommilitonen, der meine Bilder und Zeichnungen gesehen hatte und mir nahelegte, mich doch um Gottes Willen ernsthaft mit Illustration auseinanderzusetzen. Ich habe das Studium dann etwa ab dem 4. Semester erstmals wirklich ernst genommen und mich nach kurzer Zeit komplett auf die Illustration konzentriert. So fing das damals an.

Eine Illustration mit dem Titel "Computer Nerd".

Wie würdest du selbst deinen illustratorischen Stil beschreiben?


Ich bin mit Comics auf gewachsen, vor allem Prinz Eisenherz hat mich praktisch von klein auf begleitet. Als Teenager hatte ich dann irgendwann mal Robert Crumb-Comics in die Finger bekommen und habe dann selber angefangen Comics zu zeichnen. Meine Affinität zur Tuschezeichnung rührt eindeutig von Robert Crumb her, den ich nach wie vor sehr bewundere. Wenn man sich ein bisschen für Comics interessiert, stößt man irgendwann unweigerlich auf die anderen großen Namen: Will Eisner, Katsuhiro Otomo, Enki Bilal, Frank Miller, Moebius, Bernie Wrightson und ganz besonders Hal Foster - das waren so meine Helden, die mich zum Zeichnen getrieben haben und natürlich ist mein eigener Stil stark von diesen Leuten geprägt worden. Ein weiterer großer Fundus sind Kinoplakat-Künstler der 70er und 80er Jahre, diese Sachen sind beim Zeichnen und colorieren immer präsent in meinem Kopf.

Eine weitere Bannerillustration für Niklas´Facebookpage.

Aus welchen Bereichen kommen deine Kunden?


Aus den verschiedensten Gebieten, die man sich denken kann. Hauptsächlich natürlich aus dem Editorial-Bereich, ich arbeite viel für die Psychologie Heute und verschiedene Foto- und Sport-Zeitschriften sowie das Bundeswehr-Magazin.

Darüber hinaus ist der Job natürlich sehr vielseitig: ich zeichne Aufbau-Anleitungen für Kettenreaktionen, fertige Ölbilder und Tusche-Portraits für Privatleute oder Firmen, Weihnachtskarten und diverse andere Illustrationen für Werbe-Agenturen, ich restauriere Grafiken für Flipper und Arcade-Automaten, mache auch mal Live-Malerei auf Messen, Facebook-Comic-Avatare für alle möglichen Leute, gestalte Plakate und Animationsfilme für Bands oder Grafiken für Videospiele.

Es gibt immer was zu tun und es ist fast immer aufregend und neu. Der beste Beruf der Welt halt! :D

Arbeiten mit den Titeln "Wildschweine" sowie "Bayern versus Preußen".

Ein typischer Arbeitstag, wie sieht der bei dir aus und wo findet der statt?


Ich stehe um 8:30 auf, trinke Kaffee, rauche Zigaretten und lese Zeitung; dann kann es losgehen: Emails checken, Emails schreiben, Angebote erstellen, telefonieren, Bildrecherche, zeichnen, scannen, colorieren, Bilder wegschicken, Rechnungen schreiben. Es kann auch passieren, dass ich mit meiner Frau zusammen an einem Projekt arbeite, dann muss man sehen, wie man sich die Arbeit sinnvoll aufteilt.

Bei konzeptionslastigen Jobs schließe ich mich auch gerne mal einen kompletten Tag in meinem Arbeitszimmer ein und komme erst wieder ans Tageslicht, wenn ich genug Ideen entwickelt habe.
Ein typischer Arbeitstag kann aber genau so gut sein: Aufstehen, Frühstück, acht Stunden Super Nintendo spielen, Abendbrot, Schlafen - weil Kunde XY am Freitag um 21 Uhr angerufen hat und man das komplette Wochenende so gut wie ohne Schlaf durchgearbeitet hat. So ist das halt als Freelancer. Ich kann es mir inzwischen auch nicht mehr anders vorstellen. :)

Besten Dank für das Interview, Niklas!

 

Niklas Portfolio Seite

www.niklas-hughes.de


Alle Bilder zum Interview: Niklas Hughes

Das Interview führte Anne Quadflieg für die Illustratoren Organisation e.V.