Interview mit Karolina Pyrcik
Karolina an ihrem Arbeitsplatz. Sie illustriert unter anderem regelmäßig für Zeit Campus.

Beschreibe uns doch mal das Leben als Illustratorin in Stuttgart. Gibt es eine Szene, Galerien, Ausstellungen?

Eine Szene, die speziell auf Illustration ausgerichtet ist, gibt es meiner Meinung nach nicht. 
Natürlich gibt es einige Galerien, die auch grafische Arbeiten zeigen, und ab und zu auch Sonderausstellungen im illustrativen Bereich. 
Es gibt aber einige Möglichkeiten sich als Illustrator darzustellen. Z.B. in Wandbemalungen oder Ausstellungen im Club und Bar Bereich. Ich habe das Gefühl, dass es viele Betreiber gibt, die dafür offen sind. 
Ausserdem findet von Zeit zu Zeit die "Kunstschlacht" in Stuttgart statt, bei der Illustratoren, Künstler, Sprayer... gegeneinander antreten.
 
Letztes Jahr hat sich auch eine kleine Gruppe Stuttgarter Illustratoren zusammengeschlossen, und im Rahmen des I.O. Jubiläums eine Illustratoren Ausstellung in der Galerie Gedok auf die Beine gestellt.
Es gibt also auf jeden Fall Nischen, man muss nur die Augen offen halten.
 
 
Eine Auftragsarbeit für die New York City Danceschool.

Was hat deine Stilfindung beeinflusst?

Schwierig zu sagen. Gezeichnet habe ich schon von kleinauf. Mein Stil wurde oft von Comics beeinflusst. Im Laufe meines Grafik Design Studiums habe ich auch immer illustrativ gearbeitet, so konnte sich mein Stil weiterentwickeln. Ich denke ein Ende ist immer noch nicht in Sicht, da ich immer mal wieder neue Techniken ausprobiere, oder an der Form meiner Figuren arbeite.
 
Erstaunlich was passiert wenn man den gewohnten Bleistift beiseite legt, und z.B. zum Pinsel greift.
In meinem Diplombuch "Fötus" habe ich mich in diversen Techniken ausprobiert.
 
 
Illustrationen für Karolinas Diplombuch

Viele Illustrationen von dir sind in digitaler Technik. Erklärst du uns den Entstehungsprozess?

Eigentlich entstehen alle Illustrationen erstmal klassisch mit Bleistift auf Papier. Zuerst als Skizze, dann folgt die Reinzeichnung, und erst zum Schluss scanne ich die Bilder ein, und koloriere sie am Rechner.

Da ich einen Stil habe, bei dem ich Fotos überzeichne (z.B. die Arbeiten für die ZEIT Campus, oder für die VHS), arbeite ich auch viel am Leuchttisch.
Rein digital sind meine Arbeiten selten, und ich glaube, dass ich davon auch so schnell nicht wegkommen werde.

 

Gestaltung des Sommerprogramm für ein Jugendhaus.

An was arbeitest du im Moment?

Da ich neben meiner Tätigkeit als Illustrator, auch als Grafik Designer arbeite, bin ich gerade dabei ein CI für ein Jugendhaus zu entwickeln. Für dieses habe ich zuvor auch schon das Sommerprogramm gestaltet und illustriert. Aktuell habe ich noch Piktogramme für eine App erstellt, ausserdem wird in der nächsten "Dummy" eine Arbeit von mir abgedruckt.

Eine Auftragsillustration für Zeit Campus.

Wie lautet deine Akquise-Strategie bzw. wie machst du auf dich aufmerksam?

Generell führt mein Weg immer über die Kaltakquise. Erst die Recherche nach passenden Kunden, der Griff zum Telefon, anschliessend verschicke ich ein digitales Portfolio. Nebenbei pflege ich noch meine Internetseite, die ich jetzt bald rundum erneuern werde, und versuche Kontakt zu meinen Auftraggebern zu halten. Ab und zu reise ich durch Deutschland, zuletzt nach Hamburg, und akquiriere persönlich vor Ort. 
So ein direkter Kontakt ist immer sehr spannend und aufschlussreich, und öffnet einem manchmal ganz neue Türen.



 

Eine Illustration für die VHS zum Thema Fortbildung.

Vielen Dank Karolina!

 

Karolinas Portfolio Seite

www.karolinapyrcik.de


Alle Bilder zum Interview: Karolina Pyrcik

Das Interview führte Anne Quadflieg für die Illustratoren Organisation e.V.