Die Unveröffentlichten

Storyboarder bleiben hinter den Kulissen. Ihre Arbeiten – oftmals aufwändig illustrierte Bildgeschichten – bilden die Basis für jeden Film, werden von der Öffentlichkeit aber nie gesehen und bewundert. Wenn also nicht Ruhm, was bietet der Beruf für so hochqualifizierte Zeichner?

IO-Geschäftsstelle: Welche Voraussetzung muss ein guter Storyboarder erfüllen, außer realistischem Zeichnen und Arbeiten unter Zeitdruck?

Rainer Laws: Das sind sicher die wesentlichen Faktoren. Dazu sollte ihm oder ihr aber auch bewusst sein, dass es in dem Bereich nicht um Selbstverwirklichung und Anerkennung geht, sondern um fremdbestimmte Umsetzung meist äußerst konkreter Vorgaben.

IO-Geschäftsstelle: Auffällig ist, dass es bei weitem mehr männliche als weibliche Storyboarder gibt. Spielt hier vielleicht die Arbeitsweise eine Rolle?

Rainer Laws: Im Bereich Illustration bedient Storyboarding am ehesten die „klassische Versorgerrolle“ – unabhängig ob für Mann oder Frau: hohe Auslastung, planbare Projekte, weitgehend sicheres Einkommen. Da die Umsetzung heutzutage nahezu ausschließlich digital erfolgt und der Markerkoffer höchstens noch für das Live-Zeichnen auf Firmen-Events entstaubt wird, könnte man auch sagen, dass direkte Zusammenarbeit und intensiver Austausch eine kleinere Rolle spielen und technisches Verständnis für digitale Prozesse eine größere. Aber ohne Statistiken zu dem Thema können wir nicht mit Sicherheit sagen ob die männlichen Kollegen hier einen Vorsprung haben. Gefühlt: ja. Aber auch die Jungs denken beim Thema „Artefakt“ nicht alle an einen durch Kompression erzeugten Bildfehler, sondern an archäologische Kunstgegenstände.

IO-Geschäftsstelle: Bedeutet Storyboarding eine grundsätzliche Entscheidung fürs Geldverdienen und gegen die Selbstverwirklichung?

Rainer Laws: Leider ja. In der Tat sind SB-Projekte mit 80 bis 180 Euro pro Frame gut bezahlt. Interdisziplinäres Arbeiten – also nebenher ein bisschen Storyboard machen – ist nach unserer Erfahrung schwer möglich, da schnelles, realistisches Zeichnen ständige Übung bzw. Routine erfordert. Und Schnelligkeit ist oft ein Entscheidungsfaktor beim Kunden. Zu viele Anfragen solltest du auch besser nicht ablehnen, denn dann orientieren sich die Kunden schnell um.

IO-Geschäftsstelle: Im Geschäft bleiben: Im Markt für Storyboard stagnieren die Preise seit Jahren. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Rainer Laws: Momentan ist Bärenklima. Preiserhöhungen oder besser die Versuche, die Inflation abzufangen, stoßen bei Art-Buyern auf Unverständnis. Die von Funky Frame vermittelten Künstler bewegen sich qualitativ auf höchstem Niveau, daher finden Kunden natürlich immer preiswertere Zeichner aus dem mittleren Segment und setzen das gerne als Hebel ein. Unsere Empfehlung: Preiserhöhungen für individuelle, aufwändige Projekte aushandeln. Bei Projekten mit Budgetdeckel aber dafür nicht entgegenkommen, auch wenn dadurch ein Job verloren geht.

IO-Geschäftsstelle: Bilden hierbei auch SB-Archive eine Gefahr? Also dass sich Agenturen aus den vorliegenden Frames bzw. den Bildebenen ein eigenes Stockarchiv aufbauen?

Rainer Laws: Nein. Aus mehreren Gründen. Zum Einen hat die Agentur ja nur Zugriff auf das von ihr selbst beauftragte Artwork. Da kommt nicht so viel zusammen, denn selbst in 10.000 Bildern findest du nicht deine ganz spezielle Story, mit den Klamotten und den Frisuren wie du sie haben willst, und dann noch in mehreren zueinander passenden Motiven. Zum Anderen müsste die Agentur ein nach Stichworten durchsuchbares Archiv aufbauen. Aber warum sollte sie das tun, wenn es bei Fotolia die tausendfache Menge an Treffern zu Suchbegriffen gibt, nur eben als Fotos? Bei diesen Fotoarchiven lauert allerdings doch eine Gefahr für den Illustrator, denn ein AD, dessen Konzept nur aus kurzen Vignetten besteht, die einen Lifestyle bebildern sollen, kann sich sein Board komplett zusammenscrappen. Das geht aber nur bei dieser speziellen Art von generischen TVCs.

IO-Geschäftsstelle: Sie repräsentieren derzeit rund 23 Storyboarder. Wie viele Bewerbungen erhalten Sie im Durchschnitt und wovon machen Sie Ihre Entscheidung abhängig?

Rainer Laws: Die Bewerbungen sind sehr überschaubar, etwa eine pro Monat. Das ändert sich hoffentlich mit unserer neuen Website, die auf einer Marketing-Plattform mit integrierter SEO und Social Media aufbaut.
Unser Ziel war nie Masse, sondern Klasse. Wer sich mit eigener Homepage oder eigenem Blog bewirbt, und bei dessen realistisch illustrierten Storyboards man keinen Unterschied zwischen nach Fotovorlagen angelegten und frei illustrierten Figuren sieht, hat immer gute Chancen, dass wir Jobs für ihn/sie generieren können.

Rainer Laws
Selbst seit knapp 30 Jahren als Illustrator tätig, gründet Rainer Laws 1999 „Funky Frame Films“. Als Animatic-Produktionshaus vertritt er gleichzeitig Illustratoren, die auf Storyboard und Layout spezialisiert sind.

(Red. SW)