Die vergessene Einnahmequelle: Originale
Illustration: Wolf-Rüdiger Marunde

Bei Ausstellungen denken viele an Galerien. Galerien haben Betriebsausgaben, dazu kommen Mehrwertsteuer, KSK-Abgaben und vieles mehr. Dadurch wächst der Preis eines Werkes auf mindestens das Doppelte des Atelierpreises – und kann damit auch für Interessierte zu teuer werden. Oder für den Künstler zu billig, weil er 50% Provision abziehen muss. Nichtkommerzielle Träger wie kommunale Häuser und Kunstvereine sind eine bessere Möglichkeit. Bei ihnen muss man sich bewerben, in der Regel stellt ein Beirat oder ähnliches Gremium das Programm zusammen.

Ein Ausstellungshonorar zwischen 1.000 und 1.500 Euro sollte die Regel sein, ist aber nach wie vor die absolute Ausnahme. Bei klammen Kunstvereinen habe ich gute Erfahrungen mit dem Angebot gemacht, meine Bücher und Kalender auf Kommission zu liefern. Der Gewinn aus dem Verkauf während der Ausstellung dient als Ausstellungshonorar. Im Gegensatz zu den bildenden Künstlern verfügen wir Illustratoren ja über solche Möglichkeiten.

Immer mehr Aussteller bieten Digitaldrucke an. Um ihnen eine wertige Aura zu verleihen, werden sie manchmal nummeriert wie Radierungen oder Lithographien. Was bei diesen sinnvoll ist, weil sich in der grafischen Drucktechnik die Qualität während der Auflage erheblich ändert, betrachte ich im Digitaldruck als Hochstapelei: Der Zwölfte ist vom Dreihundertsten nicht zu unterscheiden. Für Ausstellungen in Räumlichkeiten wie Kliniken, Restaurants oder Rathäusern, die Originale nicht versichern können, sind Digitaldrucke gut geeignet. Zwar ist die Ausstattung nicht immer befriedigend, aber sie erreichen ein großes Publikum – unser Publikum! Warum also nicht fragen? Ob große Kunst oder visuelle Unterhaltung: Keine Ausstellung kommt ohne Eröffnung aus. Sie bietet Gelegenheit zu einem kleinen Vortrag und persönlichen Gesprächen, in denen wir viel über unser Publikum lernen. Für mich eine unschätzbare Bereicherung und ein großes Vergnügen!

Wolf-Rüdiger Marunde

(Red. SW)