Kreative Selbstvermarktung
Illustration: Ari Plikat

Über 40 % der befragten Illustratoren haben 2014 weniger als 12.000 Euro eingenommen. Wie ist das möglich in einer Berufssparte von Spezialisten, die überwiegend hervorragend ausgebildet sind und dazu ein „Produkt“ verkaufen, das im Zeitalter der Information ständig steigende Attraktivität besitzt? Illustrationen, die komplexe Zusammenhänge vereinfachen, verdichten und unabhängig einer Schriftsprache vermitteln, sollten doch ihr Geld wert sein.

Sicher ist jedem Illustrator bewusst, dass seine Kreativität wirtschaftliches Potenzial besitzt – allein die Wertschöpfung daraus scheint oft schwierig. Hier ist es hilfreich, nicht nur die eigentliche Arbeit, sondern auch deren Verkauf als kreative Aufgabe zu betrachten: Wer kann welchen Nutzen aus meiner Arbeit ziehen? Welche der vielen Vermarktungswege passen zu mir und meiner Arbeit? Wie vernetze ich sie effektiv? Und auch: Gibt es eine Möglichkeit, das Potenzial meiner Arbeit breiter auszuschöpfen?

Dazu das Beispiel eines Kollegen, der in Öl auf Leinwand arbeitet: Eine naheliegende Maßnahme ist, das Original zu verkaufen. Nutzt man aber das Motiv als Hintergrund beispielsweise für einen Zeitschriften-Cartoon, erstellt aus den gesammelten Cartoons ein Buch, das wiederum auf einer Ausstellung neben dem Original zum Verkauf angeboten wird und versteigert darüber hinaus noch signierte Drucke der Ausstellungsmotive in einer Onlineaktion, dann ist das Potenzial des Motivs breit ausgeschöpft. Vor allem, wenn die kreative Entwicklung auf vernetzten Social-Media-Kanälen potentiellen Käufern visualisiert und kommuniziert wird.

Solche kreativen Vernetzungen lassen sich auch für digital erstelle Arbeiten finden. Denn auch hier gilt: Es ist effektiver, ein Motiv mehrmals zu vermarkten, statt eine Vielzahl zu produzieren und diese einmalig zu verwerten. Ersteres funktioniert natürlich nur, wenn die jeweiligen Rechte dafür noch beim Urheber liegen, weil sie eben nicht im Rahmen eines TBO verkauft wurden.

Das klingt in der Theorie sicher alles viel einfacher als es in der Umsetzung ist und nicht jede Maßnahme ist für jeden Illustrator und jedes Einsatzgebiet geeignet. Aber was spricht gegen einen Versuch?

In diesem Sinn, allen Illustratoren ein erfolgreiches neues Jahr!

Stefanie Weiffenbach
Geschäftsführerin der Illustratoren Organisation e.V.

(Red. SW)