Auf die Plätze, fertig los!

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der IO,

neue Aufgaben, neue Herausforderungen, aber auch neue Möglichkeiten und neue Chancen – der Sprung ins Jahr 2015 verspricht, spannend zu werden.

Die große Vielfalt der Illustration mit ihrem breiten Einsatzgebiet, ihre derzeit so mächtige Medienpräsenz sowie generell immer mehr und leichter zur Verfügung stehende Kommunikationskanäle fordern und fördern uns gleichermaßen.

Auch die ständig steigende Zahl an Mitgliedern, von aktuell über 1.300 in der IO organisierten Kollegen, signalisiert es: Der Anspruch an den einzelnen Illustrator hinsichtlich seines Leistungsspektrums, seines Vertragsverständnisses und seiner Flexibilität im Markt nimmt zu. Und damit auch das Bedürfnis, sich zu verankern, auszutauschen und abzusichern. Mit großem Einsatz in allen Bereichen der Verbandsarbeit, wie z.B. bei der Etablierung eines kontinuierlichen Seminarangebots, der Umstellung der Regionalwebsites auf CMS und der Erarbeitung und Aktualisierung ständig neuer Serviceleistungen auf der IO-Website, hält unser Verband mit den Herausforderungen Schritt.

Allen Mitgliedern, Gremien und Arbeitsgruppen, die uns im vergangenen Jahr mit ihrer Zeit und ihrem Wissen so großartig unterstützt haben, möchte ich hier stellvertretend für den gesamten Verband unseren herzlichen Dank aussprechen! Mit eurer Hilfe haben wir viel erreicht und werden das auch im neuen Jahr – mit hoffentlich noch mehr Mitstreitern – erfolgreich fortsetzen.

Im Namen des Vorstands wünsche ich unseren Mitgliedern und ihren Familien ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

Matthias Bender,  Vorsitzender der Illustratoren Organisation e.V


Die dunkle Seite des Comics?

Ist „Graphic Novel“ eine Gruppierung unter dem Oberbegriff Comic? Oder eine Ergänzung? Ein Gegenstück? Oder einfach nur die erwachsene Form? Die Aussagen darüber sind genauso breitgefächert wie die Themen, die sie behandeln: literarische Adaptionen, Biografien, historische Ereignisse. Dabei ist bei deutschen oder auf Deutsch übersetzten Graphic Novels ein Trend zur Vergangenheitsbewältigung und historischen Themen zu beobachten.

Mit den Graphic Novels haben die Comics in der öffentlichen Wahrnehmung ihren Weg in die Welt der Literatur geschafft. Aber ist das richtig? Schon immer gab es eine enorme Bandbreite von Comics – sie auf Micky Maus zu begrenzen, wird ihnen nicht gerecht. Die Akzeptanz ist neu. Graphic Novels wecken zunehmend Interesse bei Lesern, die mit Comics bisher wenig anfangen konnten: eine positive Entwicklung in Deutschland, das anders als Frankreich, Japan oder die USA keine prominente Comictradition hat.

Dadurch wird der Bereich „Comic“ ein immer breiter aufgestelltes Medium. Ob Comicumsetzungen von klas- sischen Texten, wie Kafkas „The Metamorphosis“, Retrospektiven von Comickünstlern in Museen, wie Art Spiegelman im Museum Ludwig, Musikwerke wie „Put that Book back on the shelf“, die als Comic umgesetzt werden oder Regisseure, die Comics in Auftrag geben, um Filmprojekte zu bewerben, wie Matrix mit Burlyman Entertainment: Die Grenzen zwischen Comic und anderen Disziplinen verwischen. Genauso vielfältig ist der Einstieg. Von eigenen Projekten, die dann einen Verlag finden, über Anthologien, wo sich der Künstler in diesem neuen Medium zunächst in kürzerer Form ausprobieren kann, bis zu Aufträgen von klassischen Buchverlagen, Plattenverlagen, Filmstudios und Unternehmen. Es dominiert nicht mehr Genre sondern ernsthaft behandeltes Thema. Und das ermöglicht eine nahezu grenzenlose Ausweitung – was sich auch in der Weiterverwertung widerspiegelt: Die Gestaltung von Taschen, Kleidung, bis hin zu Porzellan ist oftmals ein guter Zusatzverdienst.

Was bleibt, ist der immense Zeitaufwand, den ein Comic verlangt. Daher ist gute Planung und Kalkulation wichtig. Je nach Projekt und Vergütung lohnt es sich, zu überlegen, wie die Umsetzung effektiv erfolgen kann. Dabei können Programme wie z. B. „Manga Studio“ die Planung, Gestaltung und Fertigstellung eines Comics erheblich vereinfachen.

Andrea Offermann (Illustration links), Kristina Gehrmann (Illustration rechts)


Trivial - kongenial?

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen – Comics sind nicht nur ein Fall für Kinder oder Nerds.

Als Kommunikationsmedium mit einer ganz eigenen Sprache und Qualität haben sich Comics inzwischen auch bei einem breiten Publikum, in der Unternehmenskommunikation, der Weiterbildung sowie generell als Visualisierungstool etabliert. Botschaften gleichermaßen plakativ, gezielt und emotional vermitteln zu können, zeigt sich gerade im Informationszeitalter als ideales Mittel.

Diese große Spielwiese ist auch eine neue Chance für Illustratoren. Es gibt eine große Vielfalt und Anzahl von Auftraggebern, die sich fern vom überfüllten Verlagswesen tummeln und von Nischen, die es zu belegen gilt. Wie z. B. 123comics in Berlin, die Comicdienstleistungen jeder Art anbieten: sei es, Comics als Bühnenshows zu inszenieren, Produkte und Ideen mit Infocomics zu veranschaulichen oder Vorträge und Diskussionen mit Comicstrips zu visualisieren. Schöne Ideen – die vielleicht auch eine Inspiration für manchen Kollegen sein können – gibt es auf der Website zu sehen: www.123comics.net

Imke Schmidt


Illustratoren inkognito?

Das Medium Film und die digitale Revolution haben die „Grenzen“ unserer Berufsgruppe erweitert. Als „Illustratoren inkognito“ stärken sie unseren Berufsstand – aber wo sind sie zu Hause? Per klassischer Definition setzen Illus- tratoren Textinhalte und Geschichten zeichnerisch für den Printbereich um. Doch was ist mit Künstlern, die für andere Medien zeichnen?

Am Beispiel der Animatoren: Vor gut 20 Jahren hätte man ihre Affinität zur Illustrationssparte viel leichter erkannt. Die Bilder von Animationsfilme wie „Werner, das muss kesseln“ oder „Lauras Stern“ waren noch handgezeichnet. Doch von den mehr als 30 Animationsfilmen, die mittlerweile jährlich in unseren Kinos gezeigt werden, überwiegen bei Weitem die CGI-Produktionen.

Meist unerkannt wird hinter den Kulissen auch heute gezeichnet, u. a. als Concept-, Set-, Character- & Prop-Designer, Sketch- und Storyboard-Artist oder Art Director. Das Handwerkszeug ist weiterhin zu 100 % der Zeichenstift und Pinsel – sowohl analog als auch digital. Sie alle kreieren jedoch nicht das, sondern für das fertige (Bewegt-)Produkt. Damit sind sie fast ausschließlich in der Vorproduktion zu finden, ihr Original-Schaffenswerk wird dem Publikum jedoch meist verborgen bleiben. Diese „Illustratoren inkognito“ arbeiten als ein unverzichtbarer Teil des ganzen künstlerischen Schaffensprozesses. Für diese Zeichner steht neben Konzeption und Planung die Fähigkeit, im Team zu (er-)schaffen, im Vordergrund.

Spartenübergreifend sind alle im kommerziellen Umfeld zeichnenden Künstler Illustratoren. Ob sie nun in der klassischen Animationsbranche, der VFX-Filmindustrie oder der Gamesbranche tätig sind, auch sie setzen Geschichten bildlich um. Eben nur als Künstler im Verborgenen – und gerade daher brauchen sie stärkenden Rückenwind.

Daher lautet der erweiterte Auftrag der IO, eine Interessen- vertretung aller bildlich arbeitenden Künstler im kommerziellen Umfeld anzunehmen. Noch stehen Leistungen für freiberuflich arbeitende Kollegen im Fokus. Langfristig kann die IO mithilfe neu hinzukommender Mitglieder aus den Sparten „Film“ und „Gaming“ ein Regelwerk für angemessene Rahmenbedingungen und Vergütung der jeweiligen Sparte für Auftraggeber, Urheber und nicht zuletzt den Gesetzgeber erarbeiten. Der politische Auftrag, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Wertschätzung für Illustratoren zu erhöhen, ist für alle Berufsgruppen gleich.

Tobias Schwarz


Graphic Recording: zuhören, verstehen, komprimieren, umsetzen

Andreas Gaertner ist Kommunikationslotse und erfahren in der Kunst des Graphic Recordings. Bei Interesse selber im Graphic Recording aktiv zu werden, gerne Kontakt aufnehmen unter:
andreas.gaertner@kommunikationslotsen.de

Graphic Recording, auch Visual Recording oder Visual Facilitation genannt, bedeutet das visuelle Protokollieren von Konferenzen, Workshops, Diskussionen etc. Informationen und Ideen werden so auf plakative Weise sichtbar gemacht. Als wertvolles Instrument für kapitale Kunden, wird das Graphic Recording auch für Illustratoren immer attraktiver. Aber ist es auch für jeden geeignet? IO-Mitglied Andreas Gaertner beleuchtet die Frage – auf seine ganz eigene Weise:

IO-Geschäftsstelle: Graphic Recording ist in aller Munde. In Konferenzen und Workshops bedient man sich der visuellen Live-Dokumentation, um Inhalte zusammenzufassen und ansprechend aufbereiten zu lassen. Was macht die Methode für Unternehmen so attraktiv?

Wissen und Dialoge werden sichtbar. Inhalte werden konsverviert

IO-Geschäftsstelle: Als Illustrator begleitest du das Thema, übersetzt in Bilder und moderierst damit zum Teil den Verlauf mit. Wo liegt dabei die besondere Herausforderung für dich?

Das Heraushören der Kernaussagen

IO-Geschäftsstelle: Oftmals wohnen solchen Meetings Experten bei, die sich sehr gut mit der Materie auskennen. Wie vertraut musst du mit dem zu behandelnden Thema sein?

Man muss kein Experte sein, aber die Grundvokabeln der Gruppe kennen und verstanden haben.

IO-Geschäftsstelle: Als Graphic Recorder muss man gleichzeitig zuhören, verstehen, gedanklich komprimieren und umsetzen. Welche Fähigkeit ist deiner Meinung nach unerlässlich, um sich in diese Sparte zu wagen?

Offenes Ohr, guter Zwischenspeicher, flinke Hände, Visualisierungsleidenschaft, Mut

IO-Geschäftsstelle: Auch für die Konferenzteilnehmer ist die begleitende Visualisierung noch neu. Wie ist die überwiegende Resonanz, wenn die Konferenzteilnehmer ihre Ideen in ein Bild umgesetzt sehen?

Faszination


Anmeldung bei der VG Bild-Kunst

Eine Mitgliedschaft bei der VG Bild-Kunst ermöglicht Illustratoren, mit der nicht kontrollierbaren Nutzung der eigenen Werke zusätzlich gutes Geld zu verdienen. Und das, ohne Nutzungsrechte einzuräumen! Vor allem für Buch- und Zeitschriftenillustratoren ist dies lukrativ.

Was ist zu tun?

  • per Telefon, Mail oder direkt über die Homepage der VG Bild-Kunst den Wahrnehmungsvertrag für Berufsgruppen II anfordern: www.bildkunst.de/ service/mitglied-werden/vertrag-anfordern.html

  • Den unterzeichneten Originalvertrag zusammen mit einer Kopie des Personalausweises zurückschicken. Nach etwa einem Monat erhält der Urheber sein Vertragsexemplar mit den Formularen für die schriftliche Meldung der eigenen Werke sowie das Passwort für die Online-Meldung.

  • Für die Meldung die beigefügten Formulare zu Buchtiteln, Honoraren von Zeitschriften und Zeitungen oder Internet und CDs/DVDs ausfüllen und per Post an die VG Bild-Kunst schicken oder – einfacher – per Online-Meldung übermitteln.

  • Für die Online-Meldung mit Zugangsdaten (Urheber-Nummer, Passwort, Name) einloggen. In der angezeigten Eingabemaske können unter der ersten Hauptrubrik „Online Meldung stehender Bilder“ die eigenen Werke gemeldet werden: Zeitschriften und Zeitungshonorare unter der Rubrik „Meldekarte Honorare“, Buchtitel unter „Meldekarte Buch“, Werke auf Websites und CDs/DVDs unter „Meldezettel digitale Medien“.

    In der zweiten Hauptkategorie „Abfrage gemeldete Daten“ kann der Urheber seine bisher gemeldeten Honorare und Werke einsehen.

In jeder Kategorie erscheint ein Onlineformular mit hilfreichen Erläuterungen. Das Ausfüllen bedeutet also zunächst einen kleinen Aufwand, ist aber leicht zu bewältigen – und lohnt sich wirklich!

Weitere Infos: www.io-home.org/leistungen/grundlagen/vg_bild-kunst/

Angelika Ullmann


(Red. SW)